Stoffe, Versorgung und Verfahren im Alltag
Du trinkst ein Glas Leitungswasser, rührst Zucker in den Tee, cremst dich mit Sonnencreme ein und nimmst bei Kopfschmerzen eine Tablette. Hinter jedem dieser Alltagsdinge steckt ein technisches Verfahren: Jemand hat Rohstoffe gewonnen, umgewandelt, gereinigt und verpackt. Und nach dem Gebrauch landen die Stoffe wieder irgendwo, zum Beispiel im Abwasser.
Du lernst, wie solche Verfahren aufgebaut sind, wie Wasser, Lebensmittel und Arzneimittel zu dir kommen und welche Rohstoffe nachwachsen.
Stoffkreislauf und Stoffstrom
Ein Stoffkreislauf schließt sich, wenn Stoffe nach dem Gebrauch in den Prozess zurückkehren. In der Natur kreisen Wasser, Kohlenstoff und Stickstoff. In der Technik schließt man Kreisläufe durch Recycling (Glas, Metalle, Papier) und durch Wiederverwenden von Prozesswasser. Ein Stoffstrom ist die Menge eines Stoffs, die in einer bestimmten Zeit durch einen Prozess fließt, zum Beispiel Tonnen Rüben pro Tag. Stoffe verschwinden nicht: Was in einen Prozess hineingeht, kommt als Produkt, Nebenprodukt, Abfall oder Abgas wieder heraus.
Verfahrenstechnischer Herstellungsprozess und Grundoperationen
Ein Herstellungsprozess macht aus Rohstoffen Produkte, meist in Schritten: Rohstoff vorbereiten, Stoffe mischen oder umwandeln, das Produkt abtrennen und reinigen, abfüllen. Die einzelnen Schritte heißen Grundoperationen: Zerkleinern, Mischen, Lösen und Extrahieren (einen Stoff mit einem Lösungsmittel herauslösen), Filtrieren, Destillieren (Trennen nach der Siedetemperatur), Eindampfen, Kristallisieren und Trocknen. Sie verändern die Zusammensetzung oder die Form. Läuft im Prozess auch eine chemische Reaktion ab, spricht man von einem chemisch-technischen Verfahren.
Von der Zuckerrübe zum Zucker
Von der Zuckerrübe zum Zucker
Ordne die Schritte der Zuckergewinnung den Grundoperationen zu: Rüben in Schnitzel schneiden, den Zucker mit warmem Wasser herauslösen, den Saft reinigen und filtern, Wasser verdampfen, Zucker auskristallisieren, Kristalle in der Zentrifuge vom Sirup trennen, trocknen. Wie viel Zucker enthalten höchstens 200 kg Rüben mit 16 Prozent Zuckergehalt?
Schnitzel schneiden: Zerkleinern. Herauslösen: Extrahieren. Reinigen: Fremdstoffe fallen mit Kalk und Kohlenstoffdioxid aus und werden gefiltert. Wasser verdampfen: Eindampfen. Auskristallisieren: Kristallisieren. Zentrifuge: Trennen. Danach Trocknen.
Rechnung: 16 Prozent von 200 kg sind 0,16 mal 200 = 32 kg. Mehr als 32 kg Zucker kann es nicht geben. Ein Teil bleibt im Sirup, deshalb wird es weniger. Das verdampfte Wasser kann man als Prozesswasser wiederverwenden.
Chemisch-technische Verfahren
Bioethanol entsteht, wenn Hefe Zucker vergärt (Stärke wird vorher zu Zucker abgebaut): . Das Ethanol wird anschließend durch Destillieren vom Wasser getrennt, weil es schon bei 78 Grad Celsius siedet und Wasser erst bei 100 Grad Celsius (bei normalem Luftdruck). Er dient als Kraftstoffzusatz.
Gummi entsteht, wenn man Kautschuk mit Schwefel erhitzt (Vulkanisieren). Schwefelbrücken verbinden die langen Moleküle, und das Material wird elastisch und fest.
Sonnencreme ist ein Gemisch aus Wasser und Öl, das ein Emulgator zusammenhält, mit UV-Filtern, die UV-Strahlung aufnehmen oder zurückwerfen. Bei einem Lichtschutzfaktor von 30 kommt bei richtiger Menge nur etwa ein Dreißigstel der sonnenbrandauslösenden UV-Strahlung durch.
Lebensmittel: Ernährung, Hygiene und Zusatzstoffe
Ernährung: Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße liefern Energie, dazu kommen Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und Wasser. Je Gramm liefern Kohlenhydrate 17 kJ, Eiweiße 17 kJ und Fette 37 kJ. Hygiene: Bakterien vermehren sich bei Wärme und Feuchtigkeit. Darum Hände waschen, rohes Fleisch getrennt zubereiten, die Kühlkette einhalten und durcherhitzen. Haltbar macht man Lebensmittel durch Kühlen, Erhitzen, Trocknen, Salzen oder Einlegen. Zusatzstoffe konservieren, färben, süßen oder binden (Emulgatoren). In der EU sind nur geprüfte, zugelassene Zusatzstoffe erlaubt, sie tragen eine E-Nummer und stehen in der Zutatenliste.
Energie in einem Riegel
Energie in einem Riegel
Ein Riegel enthält angenommen 24 g Kohlenhydrate, 3 g Eiweiß und 8 g Fett. Wie viel Energie liefert er?
Kohlenhydrate: 24 mal 17 = 408 kJ. Eiweiß: 3 mal 17 = 51 kJ. Fett: 8 mal 37 = 296 kJ. Summe: 408 + 51 + 296 = 755 kJ.
Wasser im Alltag
Trinkwasser kommt aus Grundwasser, Quellen oder Talsperren. Das Wasserwerk belüftet es (Eisen und Mangan fallen aus), filtert es durch Sand und Kies und desinfiziert es bei Bedarf, zum Beispiel mit Chlor, UV-Licht oder Ozon. Die Trinkwasserverordnung legt Grenzwerte fest. Eine Person in Deutschland verbraucht etwa 125 Liter am Tag. Brauchwasser muss keine Trinkwasserqualität haben, zum Beispiel Regenwasser für Toilette und Garten oder Kühlwasser in der Industrie.
Abwasser aus Haushalt, Industrie und Regen fließt durch die Kanalisation zur Kläranlage. Die mechanische Stufe holt grobe Stoffe heraus (Rechen, Sandfang, Vorklärbecken). In der biologischen Stufe bauen Mikroorganismen mit Sauerstoff gelöste Stoffe ab. Eine chemische Stufe fällt Phosphat aus. Nach der Nachklärung fließt das gereinigte Wasser in einen Fluss, der Klärschlamm wird meist vergoren und verbrannt. Feuchttücher, Fett, Farben und Medikamente gehören nicht in die Toilette.
Arzneimittel
Ein Arzneimittel enthält einen Wirkstoff, der im Körper wirkt, und Hilfsstoffe (Füllstoff, Bindemittel, Überzug). Wirkstoffe stammen aus Pflanzen, werden chemisch hergestellt oder mit Mikroorganismen gewonnen. Bei einer Tablette mischt man Wirkstoff und Hilfsstoffe und presst sie, jede Charge wird auf Gehalt und Reinheit geprüft. Neue Wirkstoffe brauchen Studien und eine Zulassung. Der Beipackzettel nennt Dosierung, Nebenwirkungen und Gegenanzeigen. Zu viel kann schaden, deshalb halte dich an die Dosis. Reste gehören nicht in die Toilette, denn Kläranlagen entfernen nicht alle Wirkstoffe. Frage in der Apotheke nach der Entsorgung vor Ort.
Nachwachsende Rohstoffe
Nachwachsende Rohstoffe stammen von Pflanzen oder Tieren und erneuern sich in überschaubarer Zeit. Wichtige Gruppen: Fette und Öle (Rapsöl für Speiseöl, Biodiesel, Seife, Farben), Kohlenhydrate (Stärke aus Kartoffeln und Mais für Kleister, Bioethanol und Bioplastik, Cellulose für Papier und Textilien), Holz (Bau, Möbel, Papier, Pellets) und Arzneipflanzen (Kamille, Pfefferminze, Weidenrinde mit Salicin, aus dem man die Acetylsalicylsäure entwickelte). Der Anbau braucht Fläche, Wasser und oft Dünger. Er kann mit dem Anbau von Nahrungsmitteln um Fläche konkurrieren.
Natürlich ist ungefährlich, Zusatzstoff ist gefährlich
Natürlich ist ungefährlich, Zusatzstoff ist gefährlich
„Lebensmittel ohne E-Nummern sind immer besser, und alles Natürliche ist harmlos.“
Auch natürliche Stoffe können giftig sein (zum Beispiel der Knollenblätterpilz) oder Allergien auslösen. Zugelassene Zusatzstoffe werden geprüft und haben Höchstmengen. Es kommt auf den Stoff und die Menge an, nicht auf die Herkunft.
Die Kläranlage macht Abwasser zu Trinkwasser
Die Kläranlage macht Abwasser zu Trinkwasser
„Das Wasser aus der Kläranlage ist so sauber, dass man es trinken könnte, und die Anlage entfernt alles.“
Das gereinigte Wasser darf in Gewässer geleitet werden, ist aber kein Trinkwasser. Manche Spurenstoffe wie Arzneimittelreste bleiben teilweise erhalten. Trinkwasser braucht eine eigene Aufbereitung im Wasserwerk.
Zusammenfassung
Stoffe laufen in Kreisläufen und Stoffströmen. Was hineingeht, kommt als Produkt, Nebenprodukt, Abfall oder Abgas wieder heraus.
Herstellungsprozesse bestehen aus Grundoperationen wie Zerkleinern, Extrahieren, Filtrieren, Destillieren, Kristallisieren und Trocknen.
Bioethanol, Gummi und Sonnencreme sind Beispiele für chemisch-technische Verfahren.
Lebensmittel brauchen Nährstoffe, Hygiene und geprüfte Zusatzstoffe. Fette liefern 37 kJ je Gramm, Kohlenhydrate und Eiweiße 17 kJ.
Trinkwasser wird im Wasserwerk aufbereitet, Abwasser in der Kläranlage in mechanischer, biologischer und chemischer Stufe gereinigt.
Arzneimittel bestehen aus Wirkstoff und Hilfsstoffen. Dosis und Entsorgung sind wichtig.
Nachwachsende Rohstoffe sind Fette, Kohlenhydrate, Holz und Arzneipflanzen.
Übungen
Eine Person verbraucht etwa 125 Liter Trinkwasser am Tag. Wie viele Kubikmeter verbraucht ein Haushalt mit 4 Personen in einem Jahr mit 365 Tagen? Es gilt 1 Kubikmeter = 1000 Liter.
Ein Riegel enthält 20 g Kohlenhydrate, 5 g Eiweiß und 10 g Fett. Je Gramm liefern Kohlenhydrate und Eiweiß 17 kJ, Fett 37 kJ. Wie viel Energie in Kilojoule liefert er?
Welche Grundoperation trennt Ethanol (siedet bei 78 Grad Celsius) von Wasser (siedet bei 100 Grad Celsius)?
In welcher Stufe der Kläranlage bauen Mikroorganismen gelöste organische Stoffe ab?
Raps liefert Öl für Biodiesel. Nenne einen Vorteil und einen Nachteil dieses nachwachsenden Rohstoffs.