Umwelt, Ökosysteme und Standort
Im Sommer meldet der Wetterbericht eine Ozonwarnung: Sport im Freien lieber auf den Abend verschieben. Im Winter meldet eine Großstadt Feinstaubalarm. An einem heißen Tag ist es in der Erfurter Innenstadt spürbar wärmer als im Thüringer Wald. Und wenn ein Unternehmen ein neues Werk baut, fragt es: Wo gibt es Fachkräfte, Straßen und Platz, und was geschieht mit der Natur?
Du lernst, welche globalen Umweltprobleme es gibt, wie Technik sie beeinflusst, wie man ein Ökosystem untersucht und warum Naturräume und Wirtschaft in Thüringen zusammenhängen.
Treibhauseffekt und Klimawandel
Die Erdatmosphäre lässt das Sonnenlicht durch, hält aber einen Teil der Wärmestrahlung zurück, die die Erde abgibt. Das bewirken Treibhausgase wie Wasserdampf, Kohlenstoffdioxid und Methan. Dieser natürliche Treibhauseffekt macht die Erde bewohnbar: Ohne ihn läge die mittlere Temperatur bei etwa minus 18 Grad Celsius statt bei etwa plus 15 Grad Celsius.
Der Mensch verstärkt den Effekt (anthropogener Treibhauseffekt), vor allem durch das Verbrennen von Kohle, Erdöl und Erdgas, durch Landwirtschaft (Methan) und Abholzung. Der Anteil des Kohlenstoffdioxids in der Luft stieg von etwa 280 auf über 420 Teilchen je Million Luftteilchen. Folge ist der Klimawandel: höhere Temperaturen, mehr Hitze und Dürre, steigende Meeresspiegel. Technische Antworten sind erneuerbare Energien, Energiesparen, Dämmung und Aufforsten.
Ozonproblematik
Ozon (O₃) kommt in zwei Höhen vor und wirkt ganz verschieden. In der Stratosphäre, in etwa 15 bis 35 km Höhe, bildet es die Ozonschicht. Sie nimmt den größten Teil der UV-Strahlung der Sonne auf und schützt Haut, Augen und Pflanzen. Bestimmte Stoffe, vor allem FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe, früher in Kühlschränken, Spraydosen und Schaumstoffen), gelangen bis in die Stratosphäre. Dort setzt UV-Strahlung Chloratome frei, und jedes Chloratom zerstört viele Ozonmoleküle. Ergebnis ist das Ozonloch, eine starke Ausdünnung über der Antarktis im dortigen Frühling. Das Montrealer Protokoll von 1987 verbot FCKW, die Ozonschicht erholt sich langsam.
Nahe am Boden ist Ozon dagegen ein Reizgas. Es entsteht aus Stickoxiden und flüchtigen organischen Stoffen, die aus Auspuffgasen und Lösungsmitteln stammen, unter starker Sonne. Es reizt die Atemwege und schädigt Pflanzen.
Smog
Smog ist stark verschmutzte Luft in Städten. Das Wort setzt sich aus engl. smoke (Rauch) und fog (Nebel) zusammen. Es gibt zwei Arten.
| Wintersmog | Sommersmog | |
|---|---|---|
| Hauptstoffe | Schwefeldioxid und Staub aus Kohlefeuerung | bodennahes Ozon aus Stickoxiden und flüchtigen organischen Stoffen |
| Wetter | windarm, kalt, Inversion | heiß, sonnig |
| Gegenmaßnahmen | Filter und Rauchgasreinigung | Katalysator, weniger Verkehr, Warnungen |
Bei einer Inversion liegt warme Luft über kalter Luft am Boden und verhindert den Luftaustausch, die Schadstoffe sammeln sich. Wintersmog ist in Mitteleuropa durch Filter und Entschwefelung selten geworden. In Städten bleiben Feinstaub und Stickstoffdioxid aus dem Verkehr ein Problem.
Urbane Ökosysteme und Ersatzlebensräume
Eine Stadt ist ein urbanes Ökosystem. Viel Boden ist versiegelt (Beton, Asphalt, Dächer), Regenwasser fließt schnell ab, und die Stadt ist wärmer als das Umland (Wärmeinsel). Trotzdem gibt es viele Nischen: Gebäude dienen als Ersatzfelsen für Mauersegler und Turmfalken, Parks, Friedhöfe und Brachflächen bieten Raum. Kulturfolger wie Amsel, Fuchs und Steinmarder nutzen die Nähe zum Menschen. Mit Dachbegrünung, Stadtbäumen und Entsiegelung lässt sich das Stadtklima verbessern.
Anthropogene Ersatzlebensräume hat der Mensch geschaffen, und Arten finden dort einen Ersatz für verlorene natürliche Lebensräume: Kiesgruben und Steinbrüche (Uferschwalben), Teiche und Talsperren, Hecken, Streuobstwiesen und gemähte Wiesen. Sie bleiben nur bestehen, wenn der Mensch sie pflegt, sonst wachsen sie mit der Zeit zu Wald zu.
Ökosystemanalyse
Eine Ökosystemanalyse untersucht ein Gebiet in Schritten. 1. Untersuchungsfläche festlegen. 2. Abiotische Faktoren messen: Temperatur, Licht (Luxmeter), Bodenfeuchte, pH-Wert. 3. Lebewesen erfassen: Arten bestimmen und zählen, mit der Quadratmethode (Pflanzen in Probequadraten von 1 m² zählen und auf die Fläche hochrechnen), mit einem Transekt (Zählstreifen entlang einer Linie) oder mit Fallen und Keschern für Tiere. 4. Auswerten in Tabellen und Diagrammen, auch mit Zeigerarten (Arten, die bestimmte Bedingungen anzeigen). 5. Bewerten und Maßnahmen vorschlagen. Beim Arbeiten im Gelände schonst du die Lebewesen und setzt Tiere wieder frei.
Pflanzen hochrechnen
Pflanzen hochrechnen
Auf einer Wiese von 800 m² werden Löwenzahnpflanzen in fünf Probequadraten von je 1 m² gezählt: 3, 5, 2, 4 und 6. Wie viele Pflanzen wachsen ungefähr auf der ganzen Wiese?
Mittelwert: 3 + 5 + 2 + 4 + 6 = 20, geteilt durch 5 Quadrate sind 4 Pflanzen je m². Hochrechnung: 4 mal 800 = 3200 Pflanzen. Das ist eine Schätzung. Mit mehr Quadraten, die zufällig verteilt sind, wird sie genauer.
Naturräume in Thüringen
Thüringen liegt in der Mitte Deutschlands und heißt "Grünes Herz Deutschlands". Etwa ein Drittel der Fläche ist Wald.
| Naturraum | Lage | Merkmale |
|---|---|---|
| Thüringer Becken | Mitte | flaches bis welliges Land, fruchtbarer Boden, wenig Regen, Ackerbau mit Getreide, Raps und Zuckerrüben |
| Thüringer Wald | Südwesten | Mittelgebirge mit Nadel- und Buchenwäldern, höchster Berg Großer Beerberg mit etwa 983 m, Wandern und Wintersport |
| Rhön | Westen | Mittelgebirge mit offenen Hochflächen und Grünland, Biosphärenreservat |
| Hainich | Nordwesten | Hügelland mit alten Buchenwäldern, Nationalpark, Teil des Weltnaturerbes |
Die Naturräume prägen die Wirtschaft: Das Becken bietet Landwirtschaft, Wald und Mittelgebirge bieten Holzwirtschaft und Tourismus. Schutzgebiete begrenzen dafür die Nutzung.
Wissenschaft, Technik und Wirtschaft in Thüringen
Ein Wirtschaftsstandort ist ein Ort mit den Bedingungen, die Unternehmen brauchen. Standortfaktoren sind zum Beispiel Verkehrsanbindung, verfügbare Fläche, Energie, Fachkräfte, Hochschulen in der Nähe, Kosten und Umweltauflagen. Thüringen hat eine zentrale Lage mit Autobahnen und Bahnstrecken und mehrere Hochschulen (Jena, Ilmenau, Erfurt, Weimar). Bekannte Branchen sind Optik und Photonik in Jena (Unternehmen wie Zeiss und Jenoptik), Fahrzeugbau und Zulieferer, Elektronik und Mikrosysteme, Glas und Keramik, Lebensmittel und Gartenbau. Jena beherbergt außerdem Forschungsinstitute. Wissenschaft und Technik liefern neue Verfahren, Unternehmen wandeln sie in Produkte um.
Welcher Standort ist besser?
Welcher Standort ist besser?
Eine Firma vergleicht zwei Standorte nach vier Kriterien mit Gewichtung (Verkehrsanbindung 3, Fachkräfte 4, Fläche 2, Umweltverträglichkeit 1). Punkte von 1 (schlecht) bis 5 (sehr gut): Standort A (an der Autobahn) bekommt 5, 2, 4, 3. Standort B (nahe Hochschule) bekommt 3, 5, 3, 3. Welcher gewinnt?
Man multipliziert jede Punktzahl mit ihrer Gewichtung und addiert. Standort A: 3 mal 5 + 4 mal 2 + 2 mal 4 + 1 mal 3 = 15 + 8 + 8 + 3 = 34. Standort B: 3 mal 3 + 4 mal 5 + 2 mal 3 + 1 mal 3 = 9 + 20 + 6 + 3 = 38. B gewinnt, weil Fachkräfte am stärksten gewichtet sind. Wer die Gewichtung ändert, kann das Ergebnis ändern.
Ozonloch und Treibhauseffekt sind dasselbe
Ozonloch und Treibhauseffekt sind dasselbe
„Wegen des Ozonlochs wird es auf der Erde wärmer.“
Das sind zwei verschiedene Probleme. Das Ozonloch ist eine Ausdünnung der Ozonschicht in der Stratosphäre, die mehr UV-Strahlung durchlässt. Der Klimawandel kommt von Treibhausgasen, die Wärmestrahlung zurückhalten. FCKW schaden beiden, aber die Ursachen sind verschieden.
In der Stadt gibt es keine Natur
In der Stadt gibt es keine Natur
„Eine Stadt ist artenarm, die Natur gibt es nur im Wald.“
Städte bieten viele Nischen, und manche Stadtgebiete haben mehr Arten als eine ausgeräumte Agrarfläche. Sie sind nur anders: Arten aus dem Wald fehlen, andere Arten nutzen Gebäude, Parks und Brachen.
Zusammenfassung
Treibhausgase halten Wärme zurück. Der Mensch verstärkt den Treibhauseffekt und löst damit den Klimawandel aus.
Stratosphärisches Ozon schützt vor UV-Strahlung, FCKW zerstören es. Bodennahes Ozon ist ein Reizgas.
Wintersmog entsteht aus Schwefeldioxid und Staub bei Inversion, Sommersmog aus bodennahem Ozon.
Städte sind urbane Ökosysteme mit Wärmeinsel und vielen Nischen. Anthropogene Ersatzlebensräume brauchen Pflege.
Eine Ökosystemanalyse misst abiotische Faktoren, erfasst Arten (Quadratmethode) und wertet aus.
Thüringen hat Naturräume wie Becken, Wald, Rhön und Hainich, die Landwirtschaft, Forst und Tourismus prägen.
Standortfaktoren entscheiden, wo Unternehmen bauen. Eine Gewichtung hilft beim Vergleich.
Übungen
Auf einer Wiese von 250 m² werden in vier Probequadraten von je 1 m² die Pflanzen einer Art gezählt: 7, 9, 6 und 10. Wie viele Pflanzen dieser Art wachsen ungefähr auf der ganzen Wiese? Schreibe die Zahl ohne Punkt.
Zwei Standorte werden bewertet. Gewichtung: Verkehr 2, Fachkräfte 3, Fläche 1. Standort C bekommt 4, 3 und 5 Punkte. Wie hoch ist seine gewichtete Gesamtpunktzahl?
Was ist die Hauptaufgabe der Ozonschicht in der Stratosphäre?
Wodurch entsteht Sommersmog hauptsächlich?
Nenne zwei Standortfaktoren, die für ein Technikunternehmen wichtig sind, und erkläre einen davon an einem Beispiel.