Axiome von Kolmogorow und Wahrscheinlichkeitsbegriff
Nach dieser Lektion kannst du
Wahrscheinlichkeit als Zahl zwischen und für Ereignisse lesen, nicht als „Bauchgefühl“,
die drei Axiome (Normierung, Nichtnegativität, Additivität für unvereinbare Ereignisse) angeben,
daraus Gegenereignis, leere Menge und die Pfadregeln als Folgerungen erkennen,
Laplace, frequentistisch und subjektiv als drei Lesarten derselben Axiome unterscheiden.
Bisher hast du Wahrscheinlichkeiten ausgezählt (Laplace), an Bäumen multipliziert oder als relative Häufigkeit auf lange Sicht gelesen. All das soll zusammenpassen: Dieselben Rechenregeln, egal woher die Zahlen kommen.
Kolmogorow hat 1933 gesagt, welche Eigenschaften eine Zuordnung „Ereignis Zahl“ haben muss, damit man sie Wahrscheinlichkeit nennen darf. Drei Forderungen. Alles andere — Gegenwahrscheinlichkeit, , die zweite Pfadregel — folgt daraus. Die Axiome sagen nicht, welche Zahl ein Würfel hat. Sie sagen, welche Rechnungen mit diesen Zahlen erlaubt sind.
Zwei Ereignisse schließen sich aus, , . Was ist ?
Probier es aus
Kolmogorow-Axiome
Gegeben ist ein Ergebnisraum und eine Menge von Ereignissen (Teilmengen von ), die man verknüpfen darf. Eine Funktion ordnet jedem Ereignis eine reelle Zahl zu und erfüllt:
1. Nichtnegativität. für jedes Ereignis .
2. Normierung. .
3. Additivität. Sind paarweise unvereinbar ( für ), dann .
Folgerungen, die man nicht extra fordern muss:
- ,
- ,
- ,
- für beliebige : .
Lesarten, die alle diese Axiome erfüllen können: Laplace (günstige durch mögliche, gleich wahrscheinlich), frequentistisch (relative Häufigkeit auf lange Sicht), subjektiv (Grad der Überzeugung, konsistent mit Wetten). Die Axiome entscheiden nicht, welche Lesart „die richtige“ ist.
Gegenwahrscheinlichkeit aus den Axiomen
Gegenwahrscheinlichkeit aus den Axiomen
und sind unvereinbar, ihre Vereinigung ist .
Axiom 3: .
Was die Axiome verbieten
Was die Axiome verbieten
Eine Zuordnung mit und auf einer fairen Münze mit verletzt die Normierung: Die Summe wäre , und die Ereignisse sind unvereinbar und ergeben .
Negative „Wahrscheinlichkeiten“ verletzen Axiom 1. Eine Verteilung, die sich nicht zu addiert, ist keine. Ob für Kopf inhaltlich stimmt, sagen die Axiome nicht — nur, dass dann Zahl sein muss.
Welche Aussage folgt aus den Axiomen, ohne weitere Annahmen?
Axiome mit einem Modell verwechseln
Axiome mit einem Modell verwechseln
„Wahrscheinlichkeit ist günstige durch mögliche“ ist Laplace, und Laplace erfüllt die Axiome nur, wenn die Ergebnisse gleich wahrscheinlich sind. Ein gezinkter Würfel hat immer noch eine Wahrscheinlichkeit im Sinn von Kolmogorow — nur keine gleichen Sechstel.
Ebenso: Unabhängigkeit in die Axiome hineinlesen. Sie steht nicht darin.
Axiome = Rechenregeln. Laplace, Häufigkeit, Überzeugung = Gründe, die Zahlen so zu wählen, dass die Regeln gelten.
Zusammenfassung
Drei Axiome: , , Addition bei unvereinbaren Ereignissen.
Daraus: Gegenereignis, , Siebformel für zwei Ereignisse.
Laplace, frequentistisch, subjektiv sind Deutungen, keine zusätzlichen Axiome.
Pfadregeln und Bäume rechnen mit diesen Eigenschaften, sie ersetzen sie nicht.
Übungen
. Wie groß ist ?
und unvereinbar, , . Wie groß ist ?
Welche Vorgabe kann keine Wahrscheinlichkeit sein?
Warum reicht „Wahrscheinlichkeit ist, was auf lange Sicht die relative Häufigkeit wird“ nicht als einzige Definition, obwohl es oft stimmt?