Lektion 13.2

Schätzen von Parametern und Konfidenzintervalle

40 min Lesezeit

Nach dieser Lektion kannst du

  • eine relative Häufigkeit als Schätzung einer unbekannten Wahrscheinlichkeit pp deuten,

  • erklären, warum die Schätzung streut und die Streuung mit n\sqrt{n} schrumpft,

  • ein Konfidenzintervall als Bereich lesen, der das unbekannte pp mit vorgegebener Sicherheit überdeckt,

  • das Niveau (etwa 95 %95\,\%) von der Breite des Intervalls unterscheiden.

Eine Partei lässt 400400 Menschen fragen und 220220 sagen Ja. Die relative Häufigkeit 220/400=0,55220/400 = 0{,}55 ist eine Schätzung des unbekannten Anteils pp in der ganzen Bevölkerung. Beim nächsten Mal kämen vielleicht 208208 oder 231231 Ja-Stimmen heraus, obwohl pp sich nicht geändert hat.

Die Schätzung p^\hat{p} ist also eine Zufallsgröße. Ein Konfidenzintervall sagt nicht „pp liegt mit 95 %95\,\% in diesem Intervall“ im Sinne einer Wahrscheinlichkeit für ein schon festes pp. Es sagt: Das Verfahren erzeugt Intervalle, die das wahre pp in 95 %95\,\% der Stichproben überdecken. Die eine Zahl 0,550{,}55 allein verschweigt, wie grob die Lupe war.

Vermute zuerst

Zwei Umfragen schätzen dasselbe pp. Eine fragt 100100 Leute, eine 10 00010\,000. Welche Schätzung streut typischerweise weniger?

Die Glocke um den wahren Mittelwert: wo die Schätzung landet

Die Normalverteilung ist hier die Näherung für p^\hat{p} bei großem nn. Sie beschreibt die Streuung der Schätzung, nicht die Meinung eines einzelnen Menschen.

Probier es aus

Definition

Schätzung und Konfidenzintervall

Sei XX die Trefferzahl in nn unabhängigen Versuchen mit unbekannter Trefferwahrscheinlichkeit pp. Dann ist

p^=X/n\hat{p} = X/n

ein Schätzer für pp: erwartungstreu, weil E(p^)=pE(\hat{p}) = p.

Ein Konfidenzintervall zum Niveau 1−α1-\alpha (oft 95 %95\,\%, also α=0,05\alpha = 0{,}05) ist ein Intervall [U, O][U,\,O], das aus den Daten berechnet wird, so dass

P(U≤p≤O)=1−αP(U \le p \le O) = 1-\alpha

(oder mindestens 1−α1-\alpha), wobei die Wahrscheinlichkeit über die Stichprobe geht, nicht über pp. pp ist fest und unbekannt.

Näherung bei großem nn und p^\hat{p} nicht zu nah an 00 oder 11:

p^±zp^(1−p^)n\displaystyle \hat{p} \pm z \sqrt{\frac{\hat{p}(1-\hat{p})}{n}},

mit z≈1,96z \approx 1{,}96 für 95 %95\,\%.

Schritt für Schritt

95 %95\,\%-Intervall bei 220220 von 400400

p^=0,55\hat{p} = 0{,}55, n=400n = 400, z=1,96z = 1{,}96.

  1. Geschätzte Standardabweichung: 0,55⋅0,45/400=0,00061875≈0,0249\sqrt{0{,}55\cdot 0{,}45/400} = \sqrt{0{,}00061875} \approx 0{,}0249.

Schritt 1 von 3
Beispiel

Was 95 %95\,\% nicht heißt

Das Intervall [0,50; 0,60][0{,}50;\, 0{,}60] ist schon berechnet. pp liegt darin oder nicht. Die 95 %95\,\% beziehen sich auf das Verfahren: Wiederholt man die Umfrage sehr oft, enthalten etwa 9595 von 100100 so gebauten Intervallen das wahre pp.

1−α=0,951-\alpha = 0{,}95

Ein einzelnes Intervall hat keine Wahrscheinlichkeit mehr, sobald die Zahlen feststehen — außer man wechselt das Wahrscheinlichkeitsmodell (Bayes). In der Schule bleibt es beim Verfahren.

Kurz geprüft

Was passiert mit der Breite eines 95 %95\,\%-Intervalls, wenn nn vervierfacht wird und p^\hat{p} gleich bleibt?

Häufige Fehler

Niveau und Treffer verwechseln

„Das Intervall ist zu 95 %95\,\% richtig“ klingt, als läge pp mit Wahrscheinlichkeit 0,950{,}95 darin. Für dieses eine Intervall ist das in der frequentistischen Lesart sinnlos: pp ist kein Zufall.

Auch: z=1z = 1 statt 1,961{,}96 nehmen und es trotzdem 95 %95\,\% nennen. z=1z = 1 gehört eher zu etwa 68 %68\,\%.

Richtig ist

Niveau = Anteil der Intervalle, die pp treffen, über viele Stichproben. Breite ∝1/n\propto 1/\sqrt{n}.

Zusammenfassung

  • p^=X/n\hat{p} = X/n schätzt pp, mit Streuung p(1−p)/n\sqrt{p(1-p)/n}.

  • Konfidenzintervall: Verfahren, das pp mit Niveau 1−α1-\alpha überdeckt.

  • Näherung p^±1,96p^(1−p^)/n\hat{p} \pm 1{,}96\sqrt{\hat{p}(1-\hat{p})/n} für 95 %95\,\%.

  • Vierfaches nn halbiert die Breite. Das Niveau ist keine Wahrscheinlichkeit für das schon berechnete Intervall.

Übungen

Aufgabe 1Numerisch

Relative Häufigkeit bei 8080 Treffern in 200200 Versuchen.

Aufgabe 2Numerisch

Wie groß ist p(1−p)/n\sqrt{p(1-p)/n} für p=0,5p = 0{,}5 und n=100n = 100?

Aufgabe 3Multiple Choice

Ein 99 %99\,\%-Intervall ist bei derselben Stichprobe im Vergleich zum 95 %95\,\%-Intervall

Aufgabe 4Freitext

Warum sagt man nicht: „pp liegt mit Wahrscheinlichkeit 95 %95\,\% in dem Intervall, das wir gerade ausgerechnet haben“?