Lektion 2.4

Thermodynamik: Hauptsätze, ideales Gas und Wärmekraftmaschinen

23 min Lesezeit

Pumpst du einen Fahrradreifen auf, wird die Pumpe warm. Ein Verbrennungsmotor wandelt nur einen Teil der Energie des Kraftstoffs in Bewegung um, der Rest geht als Abwärme in die Umgebung. Eine Wärmepumpe im Haus liefert aus 1 kWh Strom drei bis vier kWh Heizwärme, ohne gegen die Energieerhaltung zu verstoßen.

Wie viel Arbeit leistet ein sich ausdehnendes Gas? Warum kann kein Motor alle Wärme in Arbeit verwandeln? Diese Lektion beantwortet das mit dem idealen Gas und den beiden Hauptsätzen.

Definition

Zustandsgrößen und ideales Gas

Ein Gas im Gleichgewicht beschreibst du durch Zustandsgrößen: Druck pp, Volumen VV, absolute Temperatur TT in Kelvin und Stoffmenge nn in mol (1 mol enthält etwa 6,02⋅10236{,}02 \cdot 10^{23} Teilchen). Sie hängen nur vom jetzigen Zustand ab, nicht davon, wie er erreicht wurde. Wärme und Arbeit sind dagegen Größen des Vorgangs.

Ein ideales Gas besteht aus Teilchen ohne Eigenvolumen, die nur durch Stöße wechselwirken. Luft bei normalem Druck ist eine gute Näherung. Es gilt die allgemeine Gasgleichung mit R=8,314 J/(mol K)R = 8{,}314\,\text{J/(mol K)}. Die innere Energie UU ist die Summe der Energien aller Teilchen. Bei einem einatomigen idealen Gas ist es ihre kinetische Energie, bei zweiatomigen Gasen wie Luft gilt bei Raumtemperatur U=52nRTU = \tfrac{5}{2} n R T.

p V=n R T,U=32 n R T  (einatomig)p\,V = n\,R\,T, \qquad U = \tfrac{3}{2}\,n\,R\,T \;\text{(einatomig)}
Definition

Zustandsänderungen des idealen Gases

Hältst du eine Größe konstant, ändern sich die anderen nach einfachen Gesetzen:

NamekonstantGesetzBesonderheit
isochorVVpT\frac{p}{T} = konstantW=0W = 0
isobarppVT\frac{V}{T} = konstantW=−p ΔVW = -p\,\Delta V
isothermTTp Vp\,V = konstantΔU=0\Delta U = 0
adiabatischQ=0Q = 0p Vκp\,V^{\kappa} = konstantΔU=W\Delta U = W

Adiabatisch heißt, dass keine Wärme ausgetauscht wird, etwa bei schnellen Vorgängen. Der Adiabatenexponent κ\kappa ist 53\tfrac{5}{3} für einatomige Gase und 1,41{,}4 für Luft. Wird ein Gas adiabatisch komprimiert, erwärmt es sich (Fahrradpumpe, Dieselmotor), bei Expansion kühlt es ab.

Definition

Erster Hauptsatz und Volumenarbeit

Der erste Hauptsatz ist die Energieerhaltung für thermische Systeme: Die innere Energie ändert sich um die zugeführte Wärme QQ plus die am System verrichtete Arbeit WW. Zugeführtes zählt positiv, Abgegebenes negativ. Manche Bücher rechnen mit der vom Gas verrichteten Arbeit und schreiben dann ΔU=Q−W\Delta U = Q - W. Dehnt sich das Gas bei konstantem Druck um ΔV\Delta V aus, schiebt es einen Kolben und verrichtet Arbeit nach außen, also W<0W < 0. Bei veränderlichem Druck ist ∣W∣|W| die Fläche unter der Kurve im pp-VV-Diagramm.

ΔU=Q+W,W=−p ΔV  (bei konstantem Druck)\Delta U = Q + W, \qquad W = -p\,\Delta V \;\text{(bei konstantem Druck)}
Beispiel

Isobare Erwärmung

Ein einatomiges ideales Gas (2,0 mol) wird bei p=1,0⋅105p = 1{,}0 \cdot 10^5 Pa von 300 K auf 400 K erwärmt. Berechne Volumenarbeit, Änderung der inneren Energie und zugeführte Wärme.

Volumen: V1=nRT1:p=2,0⋅8,314⋅300:105≈0,0499 m3V_1 = n R T_1 : p = 2{,}0 \cdot 8{,}314 \cdot 300 : 10^5 \approx 0{,}0499\,\text{m}^3, V2≈0,0665 m3V_2 \approx 0{,}0665\,\text{m}^3, also ΔV≈0,0166 m3\Delta V \approx 0{,}0166\,\text{m}^3. Arbeit: W=−p ΔV≈−1663W = -p\,\Delta V \approx -1663 J, das Gas verrichtet Arbeit.

Innere Energie: ΔU=32nR ΔT=1,5⋅2,0⋅8,314⋅100≈2494\Delta U = \tfrac{3}{2} n R\,\Delta T = 1{,}5 \cdot 2{,}0 \cdot 8{,}314 \cdot 100 \approx 2494 J. Wärme: Q=ΔU−W=2494+1663=4157Q = \Delta U - W = 2494 + 1663 = 4157 J. Es muss mehr Wärme zugeführt werden, als die innere Energie steigt, weil ein Teil als Ausdehnungsarbeit nach außen geht.

Definition

Wärmekraftmaschine, Wärmepumpe und zweiter Hauptsatz

Ein Kreisprozess führt das Gas über mehrere Zustandsänderungen in den Anfangszustand zurück, also mit ΔU=0\Delta U = 0. Eine Wärmekraftmaschine (Dampfturbine, Verbrennungsmotor) nimmt bei hoher Temperatur die Wärme QzuQ_{zu} auf, gibt bei niedriger Temperatur QabQ_{ab} ab und liefert die Differenz als Nutzarbeit ∣W∣|W|. Der Wirkungsgrad ist η=∣W∣:Qzu=1−Qab:Qzu\eta = |W| : Q_{zu} = 1 - Q_{ab} : Q_{zu}.

Eine Wärmepumpe läuft umgekehrt: Mit zugeführter Arbeit WW holt sie Wärme QkaltQ_{kalt} aus dem Kalten und gibt im Warmen Qwarm=Qkalt+WQ_{warm} = Q_{kalt} + W ab. Ihre Leistungszahl ist ε=Qwarm:W\varepsilon = Q_{warm} : W und größer als 1, ohne dass Energie entsteht.

Der zweite Hauptsatz sagt: Wärme fließt von selbst nur vom wärmeren zum kälteren Körper (Clausius). Gleichwertig: Keine periodisch arbeitende Maschine wandelt Wärme aus nur einem Reservoir vollständig in Arbeit um (Kelvin und Planck). Deshalb ist immer η<1\eta < 1.

Definition

Carnot-Prozess

Der Carnot-Prozess besteht aus vier Schritten: (1) isotherme Expansion bei ThT_h, das Gas nimmt QzuQ_{zu} auf, (2) adiabatische Expansion mit Abkühlung auf TkT_k, (3) isotherme Kompression bei TkT_k, das Gas gibt QabQ_{ab} ab, (4) adiabatische Kompression mit Erwärmung auf ThT_h. Er ist reversibel: ohne Reibung und ohne Temperaturgefälle beim Wärmeübergang, im Idealfall umkehrbar. Keine Maschine, die zwischen den Temperaturen ThT_h und TkT_k arbeitet, hat einen größeren Wirkungsgrad. Die Temperaturen sind in Kelvin einzusetzen. Für die Wärmepumpe gilt entsprechend die größtmögliche Leistungszahl εmax⁡\varepsilon_{\max}.

ηC=1−TkTh,εmax⁡=ThTh−Tk\eta_C = 1 - \frac{T_k}{T_h}, \qquad \varepsilon_{\max} = \frac{T_h}{T_h - T_k}
Beispiel

Kraftwerk und Wärmepumpe

Ein Dampfkraftwerk arbeitet zwischen 600 °C und 30 °C. Eine Wärmepumpe heizt mit 35 °C Vorlauftemperatur aus Außenluft von 5 °C. Wie groß sind der größtmögliche Wirkungsgrad und die größtmögliche Leistungszahl?

In Kelvin: 873 K und 303 K, 308 K und 278 K. Kraftwerk: ηC=1−303:873≈0,65\eta_C = 1 - 303 : 873 \approx 0{,}65. Moderne Dampfkraftwerke erreichen etwa 40 bis 45 %, weil reale Prozesse nicht reversibel sind.

Wärmepumpe: εmax⁡=308:(308−278)≈10,3\varepsilon_{\max} = 308 : (308 - 278) \approx 10{,}3. Reale Geräte schaffen etwa 3 bis 5. Aus 1 kWh Strom werden also 3 bis 5 kWh Wärme, der Rest stammt aus der Außenluft. Das verstößt nicht gegen den ersten Hauptsatz, denn Qwarm=Qkalt+WQ_{warm} = Q_{kalt} + W.

Definition

Entropie

Die Entropie SS (Einheit J/K) ist eine Zustandsgröße, die misst, wie verteilt die Energie ist. Statistisch zählt sie, auf wie viele Arten sich die Teilchen bei demselben Gesamtzustand anordnen lassen. Wird bei der Temperatur TT reversibel die Wärme QQ zugeführt, ändert sich die Entropie um ΔS=Q:T\Delta S = Q : T.

Der zweite Hauptsatz in dieser Form: In einem abgeschlossenen System nimmt die Entropie nie ab. Bei reversiblen Vorgängen bleibt sie gleich, bei irreversiblen (Reibung, Wärmefluss von heiß nach kalt, Durchmischen) wächst sie. Wachsende Entropie ist die Energieentwertung. Beispiel: Fließen 1000 J von einem Körper bei 400 K zu einem bei 300 K, ändert sich die Gesamtentropie um 1000:300−1000:400≈+0,831000 : 300 - 1000 : 400 \approx +0{,}83 J/K. Der umgekehrte Fluss wäre −0,83-0{,}83 J/K und tritt von selbst nie auf.

ΔS=QrevT,ΔSabgeschlossen≥0\Delta S = \frac{Q_{\text{rev}}}{T}, \qquad \Delta S_{\text{abgeschlossen}} \geq 0
Definition

Stirling-Kreisprozess

Der Stirling-Prozess (Stirlingmotor, Wärmepumpe) besteht aus zwei Isothermen und zwei Isochoren: 1 nach 2 isotherme Expansion bei ThT_h (Wärme zu, Arbeit nach außen); 2 nach 3 isochore Abkühlung auf TkT_k (die Wärme geht an einen Regenerator, einen Wärmespeicher im Weg des Gases); 3 nach 4 isotherme Kompression bei TkT_k (Wärme ab); 4 nach 1 isochore Erwärmung auf ThT_h (der Regenerator gibt die Wärme zurück). Von außen wird nur bei den Isothermen Wärme zu- und abgeführt. Mit einem idealen Regenerator erreicht der Prozess den Carnot-Wirkungsgrad.

Häufige Fehler

Temperatur in Grad Celsius einsetzen

„Zwischen 227 °C und 27 °C ist der Carnot-Wirkungsgrad 1−27:227≈0,881 - 27 : 227 \approx 0{,}88.“

Richtig ist

In Gasgleichung, Carnot-Formel und Entropie steht die absolute Temperatur in Kelvin. Hier sind es 500 K und 300 K, also ηC=1−300:500=0,40\eta_C = 1 - 300 : 500 = 0{,}40. Der falsche Wert 0,88 wäre ein Wirkungsgrad, den keine Maschine erreicht.

Häufige Fehler

Wärmepumpe erzeugt Energie

„Eine Wärmepumpe mit Leistungszahl 4 erzeugt aus 1 kWh Strom 4 kWh Wärme, also Energie aus dem Nichts.“

Richtig ist

Sie erzeugt keine Energie, sie verschiebt Wärme. Von den 4 kWh stammen 3 kWh aus der kalten Umgebung, nur 1 kWh ist die zugeführte Arbeit: Qwarm=Qkalt+WQ_{warm} = Q_{kalt} + W. Die Energieerhaltung gilt.

Zusammenfassung

  • Zustandsgrößen pp, VV, TT, nn beschreiben den Zustand. Für das ideale Gas gilt pV=nRTp V = n R T mit TT in Kelvin.

  • Isochor: p:Tp : T konstant. Isobar: V:TV : T konstant. Isotherm: pVp V konstant. Adiabatisch: Q=0Q = 0, pVκp V^\kappa konstant.

  • Erster Hauptsatz: ΔU=Q+W\Delta U = Q + W, mit der Volumenarbeit W=−pΔVW = -p \Delta V bei konstantem Druck.

  • Wärmekraftmaschine: η=1−Qab:Qzu\eta = 1 - Q_{ab} : Q_{zu}. Wärmepumpe: Qwarm=Qkalt+WQ_{warm} = Q_{kalt} + W, Leistungszahl ε=Qwarm:W\varepsilon = Q_{warm} : W.

  • Zweiter Hauptsatz: Wärme fließt von selbst nur von warm nach kalt, und η<1\eta < 1 gilt immer. Der Carnot-Prozess hat den größtmöglichen Wirkungsgrad 1−Tk:Th1 - T_k : T_h.

  • Die Entropie eines abgeschlossenen Systems nimmt nie ab. Der Stirling-Prozess nutzt zwei Isothermen und zwei Isochoren mit Regenerator.

Übungen

Aufgabe 1Numerisch

Welches Volumen hat 1,0 mol eines idealen Gases bei 273 K und 1,0⋅1051{,}0 \cdot 10^5 Pa? Gib das Ergebnis in Litern an (1 m³ = 1000 L).

Aufgabe 2Numerisch

Ein Gas in einem starren Behälter hat bei 27 °C den Druck 2,0 bar. Auf welchen Druck steigt es bei Erwärmung auf 127 °C, in bar?

Aufgabe 3Numerisch

Ein Gas nimmt 500 J Wärme auf und verrichtet dabei 200 J Arbeit nach außen. Um wie viel Joule ändert sich seine innere Energie?

Aufgabe 4Numerisch

Eine Wärmekraftmaschine arbeitet zwischen den Temperaturen 500 K und 300 K. Wie groß ist ihr größtmöglicher Wirkungsgrad, in Prozent?

Aufgabe 5Multiple Choice

Ein Gas wird sehr schnell in einem Zylinder zusammengedrückt, sodass keine Wärme abfließt. Was geschieht mit seiner Temperatur?

Aufgabe 6Freitext

Ein Erfinder behauptet, sein Schiff entziehe dem Meerwasser Wärme und wandle sie vollständig in Antriebsarbeit um, ohne etwas zu verbrauchen. Verstößt das gegen den ersten oder den zweiten Hauptsatz? Begründe.