Thermodynamik: Hauptsätze, ideales Gas und Wärmekraftmaschinen
Pumpst du einen Fahrradreifen auf, wird die Pumpe warm. Ein Verbrennungsmotor wandelt nur einen Teil der Energie des Kraftstoffs in Bewegung um, der Rest geht als Abwärme in die Umgebung. Eine Wärmepumpe im Haus liefert aus 1 kWh Strom drei bis vier kWh Heizwärme, ohne gegen die Energieerhaltung zu verstoßen.
Wie viel Arbeit leistet ein sich ausdehnendes Gas? Warum kann kein Motor alle Wärme in Arbeit verwandeln? Diese Lektion beantwortet das mit dem idealen Gas und den beiden Hauptsätzen.
Zustandsgrößen und ideales Gas
Ein Gas im Gleichgewicht beschreibst du durch Zustandsgrößen: Druck , Volumen , absolute Temperatur in Kelvin und Stoffmenge in mol (1 mol enthält etwa Teilchen). Sie hängen nur vom jetzigen Zustand ab, nicht davon, wie er erreicht wurde. Wärme und Arbeit sind dagegen Größen des Vorgangs.
Ein ideales Gas besteht aus Teilchen ohne Eigenvolumen, die nur durch Stöße wechselwirken. Luft bei normalem Druck ist eine gute Näherung. Es gilt die allgemeine Gasgleichung mit . Die innere Energie ist die Summe der Energien aller Teilchen. Bei einem einatomigen idealen Gas ist es ihre kinetische Energie, bei zweiatomigen Gasen wie Luft gilt bei Raumtemperatur .
Zustandsänderungen des idealen Gases
Hältst du eine Größe konstant, ändern sich die anderen nach einfachen Gesetzen:
| Name | konstant | Gesetz | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| isochor | = konstant | ||
| isobar | = konstant | ||
| isotherm | = konstant | ||
| adiabatisch | = konstant |
Adiabatisch heißt, dass keine Wärme ausgetauscht wird, etwa bei schnellen Vorgängen. Der Adiabatenexponent ist für einatomige Gase und für Luft. Wird ein Gas adiabatisch komprimiert, erwärmt es sich (Fahrradpumpe, Dieselmotor), bei Expansion kühlt es ab.
Erster Hauptsatz und Volumenarbeit
Der erste Hauptsatz ist die Energieerhaltung für thermische Systeme: Die innere Energie ändert sich um die zugeführte Wärme plus die am System verrichtete Arbeit . Zugeführtes zählt positiv, Abgegebenes negativ. Manche Bücher rechnen mit der vom Gas verrichteten Arbeit und schreiben dann . Dehnt sich das Gas bei konstantem Druck um aus, schiebt es einen Kolben und verrichtet Arbeit nach außen, also . Bei veränderlichem Druck ist die Fläche unter der Kurve im --Diagramm.
Isobare Erwärmung
Isobare Erwärmung
Ein einatomiges ideales Gas (2,0 mol) wird bei Pa von 300 K auf 400 K erwärmt. Berechne Volumenarbeit, Änderung der inneren Energie und zugeführte Wärme.
Volumen: , , also . Arbeit: J, das Gas verrichtet Arbeit.
Innere Energie: J. Wärme: J. Es muss mehr Wärme zugeführt werden, als die innere Energie steigt, weil ein Teil als Ausdehnungsarbeit nach außen geht.
Wärmekraftmaschine, Wärmepumpe und zweiter Hauptsatz
Ein Kreisprozess führt das Gas über mehrere Zustandsänderungen in den Anfangszustand zurück, also mit . Eine Wärmekraftmaschine (Dampfturbine, Verbrennungsmotor) nimmt bei hoher Temperatur die Wärme auf, gibt bei niedriger Temperatur ab und liefert die Differenz als Nutzarbeit . Der Wirkungsgrad ist .
Eine Wärmepumpe läuft umgekehrt: Mit zugeführter Arbeit holt sie Wärme aus dem Kalten und gibt im Warmen ab. Ihre Leistungszahl ist und größer als 1, ohne dass Energie entsteht.
Der zweite Hauptsatz sagt: Wärme fließt von selbst nur vom wärmeren zum kälteren Körper (Clausius). Gleichwertig: Keine periodisch arbeitende Maschine wandelt Wärme aus nur einem Reservoir vollständig in Arbeit um (Kelvin und Planck). Deshalb ist immer .
Carnot-Prozess
Der Carnot-Prozess besteht aus vier Schritten: (1) isotherme Expansion bei , das Gas nimmt auf, (2) adiabatische Expansion mit Abkühlung auf , (3) isotherme Kompression bei , das Gas gibt ab, (4) adiabatische Kompression mit Erwärmung auf . Er ist reversibel: ohne Reibung und ohne Temperaturgefälle beim Wärmeübergang, im Idealfall umkehrbar. Keine Maschine, die zwischen den Temperaturen und arbeitet, hat einen größeren Wirkungsgrad. Die Temperaturen sind in Kelvin einzusetzen. Für die Wärmepumpe gilt entsprechend die größtmögliche Leistungszahl .
Kraftwerk und Wärmepumpe
Kraftwerk und Wärmepumpe
Ein Dampfkraftwerk arbeitet zwischen 600 °C und 30 °C. Eine Wärmepumpe heizt mit 35 °C Vorlauftemperatur aus Außenluft von 5 °C. Wie groß sind der größtmögliche Wirkungsgrad und die größtmögliche Leistungszahl?
In Kelvin: 873 K und 303 K, 308 K und 278 K. Kraftwerk: . Moderne Dampfkraftwerke erreichen etwa 40 bis 45 %, weil reale Prozesse nicht reversibel sind.
Wärmepumpe: . Reale Geräte schaffen etwa 3 bis 5. Aus 1 kWh Strom werden also 3 bis 5 kWh Wärme, der Rest stammt aus der Außenluft. Das verstößt nicht gegen den ersten Hauptsatz, denn .
Entropie
Die Entropie (Einheit J/K) ist eine Zustandsgröße, die misst, wie verteilt die Energie ist. Statistisch zählt sie, auf wie viele Arten sich die Teilchen bei demselben Gesamtzustand anordnen lassen. Wird bei der Temperatur reversibel die Wärme zugeführt, ändert sich die Entropie um .
Der zweite Hauptsatz in dieser Form: In einem abgeschlossenen System nimmt die Entropie nie ab. Bei reversiblen Vorgängen bleibt sie gleich, bei irreversiblen (Reibung, Wärmefluss von heiß nach kalt, Durchmischen) wächst sie. Wachsende Entropie ist die Energieentwertung. Beispiel: Fließen 1000 J von einem Körper bei 400 K zu einem bei 300 K, ändert sich die Gesamtentropie um J/K. Der umgekehrte Fluss wäre J/K und tritt von selbst nie auf.
Stirling-Kreisprozess
Der Stirling-Prozess (Stirlingmotor, Wärmepumpe) besteht aus zwei Isothermen und zwei Isochoren: 1 nach 2 isotherme Expansion bei (Wärme zu, Arbeit nach außen); 2 nach 3 isochore Abkühlung auf (die Wärme geht an einen Regenerator, einen Wärmespeicher im Weg des Gases); 3 nach 4 isotherme Kompression bei (Wärme ab); 4 nach 1 isochore Erwärmung auf (der Regenerator gibt die Wärme zurück). Von außen wird nur bei den Isothermen Wärme zu- und abgeführt. Mit einem idealen Regenerator erreicht der Prozess den Carnot-Wirkungsgrad.
Temperatur in Grad Celsius einsetzen
Temperatur in Grad Celsius einsetzen
„Zwischen 227 °C und 27 °C ist der Carnot-Wirkungsgrad .“
In Gasgleichung, Carnot-Formel und Entropie steht die absolute Temperatur in Kelvin. Hier sind es 500 K und 300 K, also . Der falsche Wert 0,88 wäre ein Wirkungsgrad, den keine Maschine erreicht.
Wärmepumpe erzeugt Energie
Wärmepumpe erzeugt Energie
„Eine Wärmepumpe mit Leistungszahl 4 erzeugt aus 1 kWh Strom 4 kWh Wärme, also Energie aus dem Nichts.“
Sie erzeugt keine Energie, sie verschiebt Wärme. Von den 4 kWh stammen 3 kWh aus der kalten Umgebung, nur 1 kWh ist die zugeführte Arbeit: . Die Energieerhaltung gilt.
Zusammenfassung
Zustandsgrößen , , , beschreiben den Zustand. Für das ideale Gas gilt mit in Kelvin.
Isochor: konstant. Isobar: konstant. Isotherm: konstant. Adiabatisch: , konstant.
Erster Hauptsatz: , mit der Volumenarbeit bei konstantem Druck.
Wärmekraftmaschine: . Wärmepumpe: , Leistungszahl .
Zweiter Hauptsatz: Wärme fließt von selbst nur von warm nach kalt, und gilt immer. Der Carnot-Prozess hat den größtmöglichen Wirkungsgrad .
Die Entropie eines abgeschlossenen Systems nimmt nie ab. Der Stirling-Prozess nutzt zwei Isothermen und zwei Isochoren mit Regenerator.
Übungen
Welches Volumen hat 1,0 mol eines idealen Gases bei 273 K und Pa? Gib das Ergebnis in Litern an (1 m³ = 1000 L).
Ein Gas in einem starren Behälter hat bei 27 °C den Druck 2,0 bar. Auf welchen Druck steigt es bei Erwärmung auf 127 °C, in bar?
Ein Gas nimmt 500 J Wärme auf und verrichtet dabei 200 J Arbeit nach außen. Um wie viel Joule ändert sich seine innere Energie?
Eine Wärmekraftmaschine arbeitet zwischen den Temperaturen 500 K und 300 K. Wie groß ist ihr größtmöglicher Wirkungsgrad, in Prozent?
Ein Gas wird sehr schnell in einem Zylinder zusammengedrückt, sodass keine Wärme abfließt. Was geschieht mit seiner Temperatur?
Ein Erfinder behauptet, sein Schiff entziehe dem Meerwasser Wärme und wandle sie vollständig in Antriebsarbeit um, ohne etwas zu verbrauchen. Verstößt das gegen den ersten oder den zweiten Hauptsatz? Begründe.