Lektion 1.3

Haus- und Nutztiere, Züchtung und Tierhaltung

14 min Lesezeit

Ein Dackel und eine Deutsche Dogge sind sehr verschieden. Der eine passt auf deinen Schoß, der andere reicht dir fast bis zur Hüfte. Trotzdem stammen beide vom Wolf ab. Wie kann aus einem Wolf so ein kleiner Hund werden?

Auch eine Legehenne legt viel mehr Eier als ihre wilden Vorfahren. Und im Supermarkt liegen Eier mit verschiedenen Stempeln und verschiedenen Preisen. Was bedeuten sie?

Du lernst, wie aus wilden Tieren Haustiere wurden, wie der Mensch Tiere gezielt verändert hat und woran man eine gute Haltung erkennt.

Definition

Wildform, Haustier, Nutztier und Heimtier

Die Wildform ist die Tierart, die frei in der Natur lebt, zum Beispiel der Wolf. Haustiere hält der Mensch, und sie sind aus Wildformen entstanden. Man unterscheidet:

  • Nutztiere: Man hält sie, um etwas von ihnen zu bekommen, zum Beispiel Milch, Eier, Fleisch oder Wolle. Beispiele sind Kuh, Schwein, Huhn und Schaf.
  • Heimtiere: Man hält sie zur Freude, zum Beispiel Hund, Katze und Meerschweinchen.

Manche Tiere sind beides. Ein Hütehund hilft dem Schäfer bei der Arbeit.

Definition

Domestikation

Die Domestikation ist ein langer Weg: Der Mensch zähmt eine Wildform und hält sie über viele Generationen so, dass daraus ein Haustier wird. Beim Hund begann das vor vielen tausend Jahren. Vermutlich kamen Wölfe zu den Lagerplätzen der Menschen und fraßen die Reste. Die zutraulichsten Tiere durften bleiben.

Domestikation ist nicht dasselbe wie Zähmen. Zähmen betrifft ein einzelnes Tier, das sich an Menschen gewöhnt. Bei der Domestikation verändert sich die ganze Art.

Definition

Zucht und Auslese durch den Menschen

Junge Tiere ähneln ihren Eltern. Das nutzt der Mensch aus. Er sucht Tiere mit einer erwünschten Eigenschaft aus und lässt nur diese Junge bekommen. Das nennt man Auslese. Aus den Jungen wählt er wieder die besten aus. So verstärkt sich die Eigenschaft von Generation zu Generation. Dieses Vorgehen heißt Zucht.

In der Natur ist es anders: Dort überleben die Tiere, die am besten an ihren Lebensraum angepasst sind. Bei Haustieren entscheidet der Mensch.

Eine Rasse ist eine Gruppe von Haustieren einer Art, die durch Zucht gleiche Merkmale haben, zum Beispiel Dackel oder Schäferhund. Alle Hunderassen sind eine Art, denn sie können sich untereinander fortpflanzen und haben fruchtbare Nachkommen.

Definition

Wildform und Zuchtform im Vergleich

MerkmalWolf (Wildform)Hund (Zuchtform)
Aussehengleichförmig, graubraunes Fellviele Rassen: sehr klein bis sehr groß, viele Fellfarben
Verhaltenscheu, jagt selbstzutraulich, auf den Menschen ausgerichtet
MerkmalWildschwein (Wildform)Hausschwein (Zuchtform)
Körperlange Schnauze, lange Beine, wenig Fettkürzere Schnauze, kürzere Beine, viel Fleisch und Speck
Hautdunkle Borstenhelle, rosa Haut
JungeFrischlinge mit hellen StreifenFerkel ohne Streifen, mehr Junge je Wurf

Weitere Beispiele: Das Hausrind stammt vom Auerochsen ab, den es nicht mehr gibt, das Haushuhn vom Bankivahuhn aus Südostasien und das Hausschaf vom Mufflon.

Beispiel

Auslese Schritt für Schritt: Hühner mit vielen Eiern

Ein Bauer will Hühner, die viele Eier legen. Wie gelingt ihm das?

Er geht so vor:

  • Er zählt, wie viele Eier jede Henne legt.
  • Er wählt die Hennen mit den meisten Eiern aus. Nur sie dürfen Küken bekommen.
  • Die Küken ähneln ihren Müttern. Viele legen später auch viele Eier.
  • Aus ihnen wählt er wieder die besten aus und wiederholt das über viele Generationen.

Das Wildhuhn legt nur wenige Eier und brütet sie selbst aus. Heutige Legehennen legen sehr viel mehr. Das Ergebnis ist durch Auslese entstanden, nicht durch Zufall.

Die Auslese hat Grenzen. Mit Mops und Bulldogge wollte man eine sehr kurze Schnauze. Viele dieser Hunde bekommen schlecht Luft. Eine Zucht, bei der Tiere leiden, nennt man Qualzucht. Das Tierschutzgesetz verbietet sie.

Definition

Artgemäße Haltung und Tierschutz

Wer ein Tier hält, trägt Verantwortung. Artgemäße Haltung heißt: Das Tier kann sein natürliches Verhalten ausleben. Dazu gehören:

  • genug Platz und Bewegung,
  • passendes Futter und sauberes Wasser,
  • ein Rückzugsort zum Ausruhen,
  • Gesellschaft von Artgenossen bei Tieren, die in Gruppen leben (Meerschweinchen sollte man nie allein halten),
  • Beschäftigung, Pflege und der Besuch beim Tierarzt.

Das Tierschutzgesetz verbietet, einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen. Es verlangt, Tiere ihrer Art entsprechend zu pflegen und unterzubringen.

Beispiel

Eier und der Entscheidungskonflikt bei Haltungsformen

Auf jedem Ei steht ein Stempel. Die erste Ziffer verrät, wie die Henne gehalten wurde.

ZifferHaltungsformWas das heißt
0ökologische HaltungAuslauf ins Freie, Biofutter
1FreilandhaltungAuslauf ins Freie
2BodenhaltungDie Hennen laufen frei im Stall, aber ohne Auslauf.
3KäfighaltungDie Hennen leben in Käfigen mit wenig Platz.

Familie Meier steht im Supermarkt vor dem Regal. Sie muss sich entscheiden. Die Eier mit der 0 kosten am meisten, die mit der 3 am wenigsten.

Wir bewerten das in vier Schritten:

  • Wir sammeln Argumente. Für Freiland und Bio spricht: Die Hennen können scharren und sich bewegen. Dagegen spricht: Die Eier sind teurer, und die Haltung braucht mehr Fläche.
  • Wir überlegen, wer betroffen ist: die Hennen, die Käufer, der Landwirt und die Umwelt.
  • Wir wägen ab. Was ist uns wichtiger, das Wohl der Tiere oder ein niedriger Preis?
  • Wir entscheiden und begründen.

Das ist ein Entscheidungskonflikt: Mehrere Wünsche stehen gegeneinander. Es gibt keine einzig richtige Antwort, aber jede Entscheidung braucht gute Gründe.

Häufige Fehler

Haustier ist gezähmtes Wildtier

„Wenn ich einen jungen Wolf aufziehe, ist er ein Haustier.“

Richtig ist

Ein aufgezogener Wolf ist ein gezähmtes Wildtier. Er bleibt ein Wolf. Ein Haustier entsteht erst, wenn sich die ganze Art über viele Generationen durch Zucht verändert hat. Der Hund ist so entstanden.

Häufige Fehler

Zucht macht Tiere immer besser

„Durch Zucht werden Tiere in jeder Hinsicht besser.“

Richtig ist

Zucht verstärkt nur die Eigenschaft, die der Mensch auswählt. Andere Eigenschaften können dabei leiden. Mops und Bulldogge haben Atemprobleme, weil man Hunde mit kurzer Schnauze ausgewählt hat. Gute Zucht achtet deshalb auf die Gesundheit der Tiere.

Zusammenfassung

  • Haustiere stammen von Wildformen ab: der Hund vom Wolf, das Hausschwein vom Wildschwein, das Haushuhn vom Bankivahuhn.

  • Domestikation ist die lange Entwicklung vom Wildtier zum Haustier. Zähmen betrifft nur ein einzelnes Tier.

  • Bei der Auslese wählt der Mensch Tiere mit erwünschten Eigenschaften aus. Das nennt man Zucht. Qualzucht schadet den Tieren.

  • Nutztiere liefern Milch, Eier, Fleisch oder Wolle, Heimtiere hält man zur Freude.

  • Artgemäße Haltung heißt: genug Platz, passendes Futter, Gesellschaft und die Möglichkeit, natürliches Verhalten zu zeigen.

  • Das Tierschutzgesetz schützt Tiere vor unnötigen Schmerzen, Leiden und Schäden.

  • Bei Haltungsformen stehen Tierwohl und Preis gegeneinander. Du bewertest mit Argumenten und begründest deine Entscheidung.

Übungen

Aufgabe 1Multiple Choice

Welche Wildform ist der Vorfahr des Hausschweins?

Aufgabe 2Multiple Choice

Auf einem Ei steht der Stempel 1-DE-... Wie wurde die Henne gehalten?

Aufgabe 3Numerisch

Ein Bauer hat 4 Kühe. Angenommen, jede Kuh gibt am Tag 20 Liter Milch. Wie viele Liter Milch sind das zusammen in 5 Tagen?

Aufgabe 4Numerisch

Ein Züchter hat 10 Hennen. Er möchte Hühner mit vielen Eiern. 4 Hennen legen besonders viele Eier, und nur diese 4 sollen Küken bekommen. Wie viele Hennen dürfen keine Küken bekommen?

Aufgabe 5Freitext

Lisa zieht einen Fuchswelpen von Hand auf, und er wird zahm. Ist der Fuchs jetzt ein Haustier? Erkläre mit den Wörtern Zähmen und Domestikation.

Aufgabe 6Freitext

Du möchtest zwei Meerschweinchen halten. Nenne drei Dinge, die zu einer artgemäßen Haltung gehören, und begründe, warum du nicht nur eines kaufen solltest.