Wirbellose Tiere und Insekten
Du liegst auf einer Wiese. Ein Regenwurm kriecht durchs Gras, eine Schnecke zieht eine Schleimspur, eine Biene sammelt Nektar, und eine Spinne wartet in ihrem Netz. Keines dieser Tiere hat eine Wirbelsäule. Sie gehören zu den Wirbellosen. Das sind die allermeisten Tierarten der Erde.
Wie ordnet man so viele verschiedene Tiere? Warum sind Bienen für uns wichtig? Und was ist ein Parasit, vor dem man sich schützen muss?
Du lernst die Gruppen der Wirbellosen kennen, den Körperbau der Insekten, ihre Entwicklung und ihre Bedeutung für die Natur.
Wirbellose und ihre Gruppen
Wirbellose sind Tiere ohne Wirbelsäule. Wichtige Gruppen sind:
| Gruppe | Merkmal | Beispiele |
|---|---|---|
| Weichtiere | weicher Körper, oft mit Schale, kriecht auf einem Muskelfuß (ein kräftiger Fuß aus Muskeln) | Weinbergschnecke, Teichmuschel, Tintenfisch |
| Ringelwürmer | langer Körper aus vielen Ringen | Regenwurm, Blutegel |
| Gliederfüßer | harte Hülle, gegliederter Körper, gegliederte Beine | Insekten, Spinnen, Krebse |
| Hohltiere | sackförmiger Körper mit nur einer Öffnung, Nesselzellen (winzige Giftkapseln, die Beute lähmen) | Quallen, Seeanemonen, Korallen |
| Plattwürmer | flacher, ungegliederter Körper | Strudelwürmer, Bandwürmer |
Die Gliederfüßer sind die größte Gruppe. Zu ihnen gehören die Insekten mit sechs Beinen, die Spinnentiere mit acht Beinen und die Krebstiere, meist mit mehr als acht Beinen. Spinnentiere sind zum Beispiel Spinnen und Zecken.
Außenskelett
Gliederfüßer haben kein Skelett im Körper, sondern eine harte Hülle außen. Sie besteht aus Chitin, einem festen Stoff. Sie heißt Außenskelett oder Exoskelett. Sie schützt vor Feinden und vor dem Austrocknen und gibt den Muskeln Halt. Das Außenskelett wächst nicht mit. Deshalb streift das Tier es ab und bildet ein größeres. Das nennt man Häutung. Danach ist das Tier kurz weich und verletzlich.
Körperbau der Insekten
Alle Insekten haben dieselben Grundmerkmale:
- Der Körper hat drei Teile: Kopf, Brust und Hinterleib.
- Am Kopf sitzen zwei Fühler, zwei Augen, die aus vielen Einzelaugen bestehen (Facettenaugen), und die Mundwerkzeuge.
- An der Brust sitzen sechs Beine und meist Flügel.
Die Mundwerkzeuge passen zur Nahrung:
- beißend-kauend: Käfer und Heuschrecken zerbeißen feste Nahrung.
- saugend: Schmetterlinge saugen Nektar mit einem Rüssel.
- leckend-saugend: Honigbienen und Fliegen lecken und saugen Flüssigkeiten auf.
- stechend-saugend: Stechmückenweibchen stechen die Haut und saugen Blut.
Auch die Beine passen zur Lebensweise: Laufbeine (Ameise), Sprungbeine (Heuschrecke), Schwimmbeine (Gelbrandkäfer), Grabbeine (Maulwurfsgrille) und Sammelbeine der Biene, die Pollen in einem Körbchen tragen.
Insekt oder Spinne?
Insekt oder Spinne?
Auf einem Blatt sitzen zwei Tiere. Tier A hat 6 Beine, zwei Fühler und einen Körper aus drei Teilen. Tier B hat 8 Beine, keine Fühler und einen Körper aus zwei Teilen. Welches ist das Insekt?
Wir vergleichen mit den Merkmalen:
| Merkmal | Insekt | Spinnentier |
|---|---|---|
| Körperteile | 3: Kopf, Brust, Hinterleib | 2: Kopfbruststück, Hinterleib |
| Beine | 6 | 8 |
| Fühler | 2 | keine |
| Flügel | meist | nie |
Tier A passt zu den Insekten: 6 Beine, Fühler, drei Körperteile. Tier B ist ein Spinnentier.
Verwandlung der Insekten
Insekten wachsen durch Häutungen. Die Entwicklung zum erwachsenen Tier verläuft auf zwei Arten:
- Unvollständige Verwandlung: Ei, Larve, erwachsenes Insekt. Die Larve ist das Jungtier. Hier sieht sie dem erwachsenen Tier ähnlich und häutet sich mehrmals. Beispiele: Heuschrecke, Libelle, Wanze. Die Libellenlarve lebt im Wasser.
- Vollständige Verwandlung: Ei, Larve, Puppe, erwachsenes Insekt. Die Larve sieht ganz anders aus, zum Beispiel als Raupe oder Made. In der Puppe wird der Körper umgebaut. Beispiele: Schmetterling, Käfer, Biene, Fliege.
Der Kohlweißling legt Eier an Kohlblätter. Die Raupe frisst und häutet sich. Dann verpuppt sie sich, und aus der Puppe schlüpft der Schmetterling. Das sind vier Stadien.
Bestäuber, Honigbiene und Insektenstaat
Damit eine Blüte Früchte und Samen bildet, muss der Pollen (Blütenstaub) von Blüte zu Blüte gelangen. Das nennt man Bestäubung. Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und Schmetterlinge sind Bestäuber. Sie holen Nektar, einen süßen Saft, und Pollen als Nahrung. Dabei bleibt Pollen an ihrem Körper hängen und kommt zur nächsten Blüte. Ohne Bestäuber gäbe es viel weniger Äpfel und Kirschen.
Honigbienen leben in einem Insektenstaat mit mehreren zehntausend Tieren. Jedes hat seine Aufgabe:
- Die Königin legt die Eier. Es gibt nur eine pro Volk.
- Die Arbeiterinnen sind Weibchen. Sie putzen, füttern die Larven, bauen Waben (die Wachszellen im Stock), halten Wache und sammeln Nektar und Pollen.
- Die Drohnen sind Männchen. Sie paaren sich mit jungen Königinnen.
Aus Nektar machen die Bienen Honig. Eine Sammlerin, die eine gute Futterstelle gefunden hat, tanzt im Stock den Schwänzeltanz. Dieser zeigt den anderen die Richtung und die Entfernung.
Regenwurm
Der Regenwurm ist ein Ringelwurm. Sein Körper besteht aus vielen Ringen mit kleinen Borsten, mit denen er sich im Boden festhält. Er hat keine Lunge, sondern atmet durch die feuchte, schleimige Haut. Trocknet sie aus, stirbt er.
Er frisst Reste abgestorbener Pflanzen mit etwas Erde. Seine Gänge lockern und lüften den Boden. Sein Kot macht die Erde fruchtbar.
Parasiten
Ein Parasit lebt auf oder in einem anderen Lebewesen, dem Wirt, und nimmt ihm Nahrung weg. Er schadet dem Wirt, tötet ihn aber meist nicht sofort. Beispiele sind Zecke (ein Spinnentier, das Blut saugt und Krankheiten übertragen kann), Floh, Kopflaus und Bandwurm (ein Plattwurm im Darm). Kopfläuse haben nichts mit Schmutz zu tun. Nach einem Ausflug in Wald und Wiese suchst du den Körper nach Zecken ab. Findest du eine, sag es einem Erwachsenen.
Bedeutung, Gefährdung und Schutz
Wirbellose halten die Natur im Gleichgewicht: Insekten bestäuben Blüten. Regenwürmer machen den Boden fruchtbar. Käfer und Fliegenlarven zersetzen totes Holz und Tierreste. Marienkäfer fressen Blattläuse. Insekten sind Nahrung für Vögel, Frösche und Fledermäuse.
Untersuchungen zeigen, dass es vielerorts viel weniger Insekten gibt als früher. Gründe sind weniger blütenreiche Wiesen, Insektengifte und Bebauung. Du kannst helfen: Blumen auf dem Balkon pflanzen, eine wilde Ecke im Garten lassen, ein Insektenhotel aufstellen und auf Gift verzichten.
Spinnen sind Insekten
Spinnen sind Insekten
„Spinnen haben viele Beine und krabbeln, also sind sie Insekten.“
Spinnen haben acht Beine und nur zwei Körperteile. Sie haben keine Fühler und keine Flügel. Damit sind sie Spinnentiere. Auch die Zecke ist ein Spinnentier. Alle Insekten haben sechs Beine.
Insekten sind Schädlinge
Insekten sind Schädlinge
„Insekten sind lästig, am besten bekämpft man sie alle.“
Nur wenige Insektenarten richten Schaden an. Die meisten sind nützlich. Ohne sie gäbe es kaum Bestäubung, und viele Vögel hätten kein Futter.
Zusammenfassung
Wirbellose haben keine Wirbelsäule. Wichtige Gruppen sind Weichtiere, Ringelwürmer, Gliederfüßer, Hohltiere und Plattwürmer.
Gliederfüßer haben ein Außenskelett aus Chitin und häuten sich, um zu wachsen.
Insekten haben drei Körperteile, sechs Beine, zwei Fühler und meist Flügel. Spinnentiere haben acht Beine und zwei Körperteile.
Bei der unvollständigen Verwandlung gibt es drei Stadien, bei der vollständigen vier mit einer Puppe.
Bestäuber tragen Pollen von Blüte zu Blüte. Im Bienenstaat gibt es Königin, Arbeiterinnen und Drohnen.
Der Regenwurm atmet durch die Haut und macht den Boden fruchtbar. Ein Parasit lebt auf Kosten seines Wirtes.
Wirbellose sind wichtig für die Natur. Viele Insekten sind gefährdet, und du kannst sie schützen.
Übungen
Welches dieser Tiere ist kein Insekt?
Aus dem Ei schlüpft eine Raupe. Sie frisst, verpuppt sich und wird zum Schmetterling. Wie nennt man diese Entwicklung?
Auf einem Gartenweg laufen 3 Käfer und 2 Spinnen. Wie viele Beine haben die fünf Tiere zusammen?
Ein kleines Bienenvolk hat 1 Königin, 5 Drohnen und 20 Arbeiterinnen. Wie viele dieser Bienen sind Weibchen?
Erkläre, warum ein Apfelbaum ohne Bienen weniger Äpfel trägt.
Nenne drei Dinge, die du tun kannst, um Insekten zu schützen, und sage kurz, warum sie helfen.