Wahrscheinlichkeit: Laplace-Experimente und Ereignisse
Bei einem Brettspiel brauchst du eine 6, um aus dem Startfeld zu kommen. Dein Bruder sagt: „Das ist reines Glück, da kann man nichts ausrechnen.“ Doch, man kann etwas ausrechnen, nämlich wie groß die Chance auf eine 6 ist.
In Klasse 5-6 hast du Chancen mit Brüchen verglichen und mit relativen Häufigkeiten geschätzt. Jetzt bekommt die Chance eine feste Zahl. Sie heißt Wahrscheinlichkeit.
Außerdem geht es um eine Frage, die jede Losbude betrifft: Ein Spiel kostet 1 Euro Einsatz. Du wirfst einen Würfel und bekommst bei einer 6 genau 6 Euro, sonst nichts. Ist das gerecht? In dieser Lektion lernst du die Schreibweisen und die Regeln, mit denen du so etwas ausrechnest.
Ergebnismenge, Ereignis und Gegenereignis
Zufallsexperiment, Ergebnis und Ereignis kennst du aus Klasse 5-6. Jetzt schreibst du sie kurz auf. Alle möglichen Ergebnisse zusammen heißen Ergebnismenge. Du schreibst sie in geschweifte Klammern und nennst sie (gesprochen „Omega“, ein griechischer Buchstabe). Beim Würfel ist .
Ein Ereignis ist eine Auswahl aus diesen Ergebnissen, auch in geschweiften Klammern. Das Ereignis A: „Die Augenzahl ist gerade“ ist . Die Ergebnisse darin heißen günstig für A.
Das Gegenereignis enthält alle Ergebnisse, die nicht zu A gehören. Du schreibst es und sagst „nicht A“. Hier ist es die Menge der ungeraden Augenzahlen.
Wahrscheinlichkeit und Laplace-Experiment
Die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses A ist eine Zahl von 0 bis 1. Du schreibst sie . Das P steht für das englische Wort „probability“. Ein unmögliches Ereignis hat die Wahrscheinlichkeit 0, ein sicheres die Wahrscheinlichkeit 1. Du kannst sie als Bruch, als Dezimalzahl oder in Prozent angeben.
Oft sind alle Ergebnisse gleich wahrscheinlich, zum Beispiel bei einem fairen Würfel, einer Münze oder einer Kugel, die blind aus einem Beutel gezogen wird. Ein solches Experiment heißt Laplace-Experiment, nach dem französischen Mathematiker Laplace. Dann zählst du nur: Wie viele Ergebnisse sind günstig, und wie viele gibt es insgesamt?
Wahrscheinlichkeiten zählen
Wahrscheinlichkeiten zählen
a) Ein fairer Würfel wird geworfen. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit für „Die Augenzahl ist größer als 4“ und für „Die Augenzahl ist eine Primzahl“?
b) Ein Beutel enthält 5 rote, 3 blaue und 2 gelbe Kugeln. Du ziehst blind eine Kugel. Wie groß ist ?
Größer als 4 sind die Augenzahlen 5 und 6. Das sind 2 günstige Ergebnisse von 6. Primzahlen sind 2, 3 und 5, also 3 von 6. Im Beutel liegen 5 + 3 + 2 = 10 Kugeln. Jede Kugel ist ein Ergebnis, und die blauen und gelben zählst du bei „alle Ergebnisse“ mit. Fünf davon sind rot. Die Wahrscheinlichkeit für Rot ist also 0,5, das sind 50 Prozent.
Gegenereignis und Additionsregel
Entweder tritt A ein oder das Gegenereignis, beides zugleich geht nicht. Zusammen sind sie sicher. Deshalb ergeben ihre Wahrscheinlichkeiten zusammen 1. Das hilft, wenn das Gegenereignis leichter zu zählen ist.
Haben zwei Ereignisse A und B kein gemeinsames Ergebnis, addierst du ihre Wahrscheinlichkeiten, um die Wahrscheinlichkeit von „A oder B“ zu bekommen. Das ist die Additionsregel. Beim Würfel gilt zum Beispiel für und : .
Glücksrad mit Gegenereignis
Glücksrad mit Gegenereignis
Ein Glücksrad hat 8 gleich große Felder mit den Zahlen 1 bis 8. Ereignis A: „Die Zahl ist kleiner als 3.“ Ereignis B: „Die Zahl ist größer als 6.“ a) Wie groß ist ? b) Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass weder A noch B eintritt?
Zu A gehören die Zahlen 1 und 2, zu B die Zahlen 7 und 8. Die Ereignisse haben kein gemeinsames Ergebnis, also darfst du addieren. Bei b) ist „weder A noch B“ das Gegenereignis von „A oder B“. Du rechnest 1 − 1/2 = 1/2. Zur Probe: Übrig bleiben 3, 4, 5 und 6, das sind 4 von 8 Feldern.
Gesetz der großen Zahlen
Bei vielen Zufallsexperimenten kannst du die Wahrscheinlichkeit nicht zählen, du musst sie schätzen. Dann hilft die relative Häufigkeit. Eine Klasse würfelt und zählt die Sechsen (angenommene Werte):
| Zahl der Würfe | 60 | 600 | 6000 |
|---|---|---|---|
| Anzahl der Sechsen | 13 | 107 | 1004 |
| Relative Häufigkeit | 0,217 | 0,178 | 0,167 |
Die Wahrscheinlichkeit für eine Sechs ist . Je mehr Würfe, desto näher liegt die relative Häufigkeit meist an dieser Zahl. Das ist das Gesetz der großen Zahlen. Es sagt aber nichts darüber, was beim nächsten Wurf kommt.
Erwartungswert und faires Spiel
Bei einem Spiel zahlst du einen Einsatz. Je nach Ergebnis bekommst du eine Auszahlung. Der Erwartungswert der Auszahlung sagt, wie viel du bei sehr vielen Spielen im Durchschnitt pro Spiel bekommst. Du multiplizierst jede mögliche Auszahlung mit ihrer Wahrscheinlichkeit und addierst alles. Hier steht für die möglichen Auszahlungen und für ihre Wahrscheinlichkeiten.
Ist der Erwartungswert gleich dem Einsatz, heißt das Spiel fair. Auf lange Sicht verliert und gewinnt dann niemand. Das Spiel aus der Einleitung ist fair, denn Euro ist der Einsatz. Der Erwartungswert muss keine Auszahlung sein, die wirklich vorkommt.
Ist das Spiel fair?
Ist das Spiel fair?
Du zahlst 2 Euro Einsatz und wirfst einen Würfel. Bei 1 oder 2 bekommst du nichts. Bei 3, 4 oder 5 bekommst du 2 Euro. Bei 6 bekommst du 6 Euro. Ist das Spiel fair?
Die Auszahlungen sind 0, 2 und 6 Euro. Ihre Wahrscheinlichkeiten sind 2/6, 3/6 und 1/6. Der Erwartungswert ist 2 Euro, genau der Einsatz. Das Spiel ist fair. Würde der Einsatz 3 Euro kosten, würdest du im Durchschnitt 1 Euro pro Spiel verlieren. Bei 1 Euro Einsatz würdest du im Durchschnitt 1 Euro pro Spiel gewinnen.
Alles zählen, was möglich ist
Alles zählen, was möglich ist
Mit zwei Würfeln gibt es die Augensummen 2 bis 12. Das sind 11 Möglichkeiten. Jemand rechnet: „Die Wahrscheinlichkeit für die Summe 12 ist .“
Die Formel gilt nur, wenn alle gezählten Ergebnisse gleich wahrscheinlich sind. Die Summen sind es nicht. Gleich wahrscheinlich sind die Paare (roter Würfel | blauer Würfel). Nach dem Zählprinzip aus Klasse 5-6 gibt es Paare. Die Summe 12 gibt es nur bei (6|6), also ist die Wahrscheinlichkeit . Die Summe 7 gibt es bei (1|6), (2|5), (3|4), (4|3), (5|2) und (6|1): .
Addieren trotz gemeinsamer Ergebnisse
Addieren trotz gemeinsamer Ergebnisse
A ist „Die Augenzahl ist gerade“, B ist „Die Augenzahl ist größer als 3“. Jemand rechnet und sagt, das Ereignis sei sicher.
Die Ergebnisse 4 und 6 gehören zu beiden Ereignissen und werden doppelt gezählt. Die Additionsregel gilt nur, wenn A und B kein gemeinsames Ergebnis haben. Zähle hier direkt: „A oder B“ ist . Das sind 4 von 6 Ergebnissen, also . Die Augenzahl 1 und die 3 fehlen.
Zusammenfassung
Die Ergebnismenge enthält alle möglichen Ergebnisse. Ein Ereignis ist eine Auswahl daraus, das Gegenereignis der Rest.
Die Wahrscheinlichkeit liegt zwischen 0 (unmöglich) und 1 (sicher).
Bei einem Laplace-Experiment sind alle Ergebnisse gleich wahrscheinlich. Dann ist die Zahl der günstigen Ergebnisse geteilt durch die Zahl aller Ergebnisse.
Es gilt . Haben A und B kein gemeinsames Ergebnis, gilt .
Gesetz der großen Zahlen: Bei sehr vielen Versuchen liegt die relative Häufigkeit meist nahe an der Wahrscheinlichkeit. Über den nächsten Versuch sagt es nichts.
Der Erwartungswert ist die Summe aus Auszahlung mal Wahrscheinlichkeit. Ist er gleich dem Einsatz, ist das Spiel fair.
Übungen
In einer Lostrommel liegen 20 Lose, davon 3 Gewinnlose. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, mit einem Zug ein Gewinnlos zu ziehen? Gib sie in Prozent an.
Bei welchem Experiment sind alle Ergebnisse gleich wahrscheinlich, sodass du die Wahrscheinlichkeit durch Zählen berechnen kannst?
Ein Glücksrad hat 10 gleich große Felder, 3 davon sind rot. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Rad nicht auf Rot stehen bleibt? Gib sie in Prozent an.
In einer Trommel liegen 20 Kugeln mit den Zahlen 1 bis 20. Du ziehst blind eine Kugel. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit für das Ereignis „Die Zahl ist durch 5 teilbar oder sie ist 1 oder 2“? Gib sie in Prozent an.
Ein Glücksrad hat 4 gleich große Felder mit den Auszahlungen 0 Euro, 1 Euro, 3 Euro und 6 Euro. Wie groß ist der Erwartungswert der Auszahlung in Euro?
Du zahlst 1 Euro Einsatz und wirfst einen Würfel. Bei einer 1 oder 2 bekommst du 3 Euro, sonst nichts. Ist das Spiel fair? Begründe mit dem Erwartungswert.