Lektion 1.5

Potenzen mit ganzzahligen und rationalen Exponenten

16 min Lesezeit

Dein Taschenrechner hat eine Potenztaste. Gibst du 40,54^{0{,}5} ein, zeigt er 2. Bei 2−32^{-3} zeigt er 0,125. Bisher hast du gelernt: Der Exponent sagt, wie oft die Basis als Faktor vorkommt. Wie oft kann eine Zahl „minus dreimal“ oder „halbmal“ als Faktor vorkommen? Das lässt sich nicht zählen. Es muss also eine andere Erklärung geben.

Außerdem brauchen die Naturwissenschaften sehr kleine Zahlen. Ein Haar ist etwa 0,00007 m dick, ein Atom ist noch viel kleiner. In dieser Lektion erweiterst du die Potenzen auf negative und gebrochene Exponenten. Damit schreibst du solche Zahlen kurz auf, und du siehst, wie Potenzieren, Wurzelziehen und Logarithmieren zusammenhängen.

Definition

Potenzen mit ganzen Exponenten

Für eine natürliche Zahl nn ist ana^n das Produkt aus nn Faktoren aa. Die Reihe 103=100010^3 = 1000, 102=10010^2 = 100, 101=1010^1 = 10 zeigt: Jeder Schritt nach unten teilt durch 10. Setzt du sie fort, folgen 100=110^0 = 1, 10−1=11010^{-1} = \frac{1}{10} und 10−2=110010^{-2} = \frac{1}{100}. Allgemein erklärt man für a≠0a \neq 0: a0=1a^0 = 1 und a−n=1ana^{-n} = \frac{1}{a^n}. Das passt zum Potenzgesetz: an⋅a−n=an+(−n)=a0=1a^n \cdot a^{-n} = a^{n + (-n)} = a^0 = 1. Ein negativer Exponent macht die Zahl nicht negativ, er bildet den Kehrwert: 2−3=123=182^{-3} = \frac{1}{2^3} = \frac{1}{8}. Mit ganzen Exponenten mm und nn und Basen a,b≠0a, b \neq 0 gelten diese Potenzgesetze:

GesetzBeispiel
am⋅an=am+na^m \cdot a^n = a^{m+n}25⋅2−2=23=82^5 \cdot 2^{-2} = 2^3 = 8
aman=am−n\frac{a^m}{a^n} = a^{m-n}3235=3−3=127\frac{3^2}{3^5} = 3^{-3} = \frac{1}{27}
(am)n=am⋅n(a^m)^n = a^{m \cdot n}(5−1)2=5−2=125\left(5^{-1}\right)^2 = 5^{-2} = \frac{1}{25}
(a⋅b)n=an⋅bn(a \cdot b)^n = a^n \cdot b^n(2⋅3)2=4⋅9=36(2 \cdot 3)^2 = 4 \cdot 9 = 36
(ab)n=anbn\left(\frac{a}{b}\right)^n = \frac{a^n}{b^n}(23)−2=2−23−2=94\left(\frac{2}{3}\right)^{-2} = \frac{2^{-2}}{3^{-2}} = \frac{9}{4}
Definition

Gebrochene Exponenten und Wurzeln

Was soll a12a^{\frac{1}{2}} bedeuten? Das Potenzgesetz (am)n=am⋅n(a^m)^n = a^{m \cdot n} soll weiter gelten. Dann ist (a12)2=a12⋅2=a1=a\left(a^{\frac{1}{2}}\right)^2 = a^{\frac{1}{2} \cdot 2} = a^1 = a. Die Zahl a12a^{\frac{1}{2}} hat also das Quadrat aa. Das ist die Quadratwurzel: a12=aa^{\frac{1}{2}} = \sqrt{a}. Genauso ist a13=a3a^{\frac{1}{3}} = \sqrt[3]{a}. Für eine natürliche Zahl n≥2n \geq 2 ist die nn-te Wurzel an\sqrt[n]{a} die nicht negative Zahl, deren nn-te Potenz aa ist. Für negative Basen erklärt man gebrochene Exponenten hier nicht. Damit sind Wurzeln Potenzen, und die Potenzgesetze gelten auch für rationale Exponenten, wenn die Basen positiv sind. Die Wurzelgesetze folgen daraus: a⋅b=a12⋅b12=(a⋅b)12=a⋅b\sqrt{a} \cdot \sqrt{b} = a^{\frac{1}{2}} \cdot b^{\frac{1}{2}} = (a \cdot b)^{\frac{1}{2}} = \sqrt{a \cdot b}. Für Zähler größer als 1 und für negative Exponenten gilt mit a>0a > 0, einer ganzen Zahl mm und einer natürlichen Zahl n≥2n \geq 2:

a1n=anamn=(an)m=amna−mn=1amna^{\frac{1}{n}} = \sqrt[n]{a} \qquad a^{\frac{m}{n}} = \left(\sqrt[n]{a}\right)^m = \sqrt[n]{a^m} \qquad a^{-\frac{m}{n}} = \frac{1}{a^{\frac{m}{n}}}
Beispiel

Gebrochene Exponenten berechnen

Berechne a) 8238^{\frac{2}{3}}, b) 163416^{\frac{3}{4}} und c) 4−124^{-\frac{1}{2}}.

a)  823=(83)2=22=4b)  1634=(164)3=23=8c)  4−12=1412=14=12\begin{aligned} \text{a)}\; & 8^{\frac{2}{3}} = \left(\sqrt[3]{8}\right)^2 = 2^2 = 4 \\ \text{b)}\; & 16^{\frac{3}{4}} = \left(\sqrt[4]{16}\right)^3 = 2^3 = 8 \\ \text{c)}\; & 4^{-\frac{1}{2}} = \frac{1}{4^{\frac{1}{2}}} = \frac{1}{\sqrt{4}} = \frac{1}{2} \end{aligned}

Du ziehst zuerst die Wurzel, die der Nenner des Exponenten angibt, und potenzierst dann mit dem Zähler. So bleiben die Zahlen klein. Ein Minus im Exponenten bedeutet den Kehrwert.

Gebrochene Exponenten im Rechenweg

Drücke auf „Rechnen“ und lies den Rechenweg zu Teil a). Einen gebrochenen Exponenten schreibst du in Klammern, also 8^(2/3). Probiere danach 16^(3/4) und 4^(-1/2) aus und vergleiche mit b) und c).

Beispiel

Wurzeln als Potenzen schreiben

Schreibe als Potenz von xx mit x>0x > 0 und vereinfache: a) x35\sqrt[5]{x^3}, b) 1x\frac{1}{\sqrt{x}}, c) x⋅x3\sqrt{x} \cdot \sqrt[3]{x}, d) x⋅x\sqrt{x \cdot \sqrt{x}}.

a)  x35=x35b)  1x=1x12=x−12c)  x12⋅x13=x12+13=x56d)  (x⋅x12)12=(x32)12=x34\begin{aligned} \text{a)}\; & \sqrt[5]{x^3} = x^{\frac{3}{5}} \\ \text{b)}\; & \frac{1}{\sqrt{x}} = \frac{1}{x^{\frac{1}{2}}} = x^{-\frac{1}{2}} \\ \text{c)}\; & x^{\frac{1}{2}} \cdot x^{\frac{1}{3}} = x^{\frac{1}{2} + \frac{1}{3}} = x^{\frac{5}{6}} \\ \text{d)}\; & \left(x \cdot x^{\frac{1}{2}}\right)^{\frac{1}{2}} = \left(x^{\frac{3}{2}}\right)^{\frac{1}{2}} = x^{\frac{3}{4}} \end{aligned}

Du übersetzt jede Wurzel in einen Exponenten und rechnest dann nur noch mit den Exponenten. In c) addierst du die Brüche: 12+13=56\frac{1}{2} + \frac{1}{3} = \frac{5}{6}. In d) gehst du von innen nach außen: Zuerst ist x⋅x12=x32x \cdot x^{\frac{1}{2}} = x^{\frac{3}{2}}, dann multiplizierst du die Exponenten: 32⋅12=34\frac{3}{2} \cdot \frac{1}{2} = \frac{3}{4}.

Definition

Zehnerpotenzschreibweise

Zehnerpotenzen 10n10^n kennst du für natürliche nn. Mit negativen Exponenten schreibst du auch kleine Zahlen kurz: 10−1=0,110^{-1} = 0{,}1, 10−2=0,0110^{-2} = 0{,}01, 10−3=0,00110^{-3} = 0{,}001. In der Zehnerpotenzschreibweise schreibst du eine positive Zahl als a⋅10ka \cdot 10^k mit 1≤a<101 \leq a < 10 und ganzem kk. Es ist zum Beispiel 0,00007 m=7⋅10−5 m0{,}00007\,\text{m} = 7 \cdot 10^{-5}\,\text{m} und 3 600 000=3,6⋅1063\,600\,000 = 3{,}6 \cdot 10^6. Große Zahlen haben ein positives kk, Zahlen zwischen 0 und 1 ein negatives kk.

Beim Rechnen nutzt du die Potenzgesetze: Du multiplizierst oder dividierst die Zahlen aa und addierst oder subtrahierst die Exponenten. Liegt aa danach nicht mehr zwischen 1 und 10, verschiebst du das Komma und passt kk an.

Beispiel

Mit Zehnerpotenzen schreiben und rechnen

a) Schreibe 0,000 0420{,}000\,042 in Zehnerpotenzschreibweise. b) Berechne (4⋅103)⋅(5⋅102)\left(4 \cdot 10^3\right) \cdot \left(5 \cdot 10^2\right). c) Berechne 6⋅10−34⋅102\frac{6 \cdot 10^{-3}}{4 \cdot 10^2}.

a)  0,000 042=4,2⋅10−5b)  4⋅5⋅103+2=20⋅105=2⋅106c)  64⋅10−3−2=1,5⋅10−5\begin{aligned} \text{a)}\; & 0{,}000\,042 = 4{,}2 \cdot 10^{-5} \\ \text{b)}\; & 4 \cdot 5 \cdot 10^{3+2} = 20 \cdot 10^5 = 2 \cdot 10^6 \\ \text{c)}\; & \frac{6}{4} \cdot 10^{-3-2} = 1{,}5 \cdot 10^{-5} \end{aligned}

In a) verschiebst du das Komma um 5 Stellen nach rechts, bis 4,2 dasteht. Dafür steht der Exponent −5-5. In b) ist 20⋅10520 \cdot 10^5 noch nicht in Zehnerpotenzschreibweise, denn 20 ist größer als 10. Du schreibst 20=2⋅1020 = 2 \cdot 10 und erhältst 2⋅1062 \cdot 10^6. In c) teilst du 6 durch 4 und subtrahierst die Exponenten: −3−2=−5-3 - 2 = -5.

Definition

Potenzieren, Wurzelziehen und Logarithmieren

Die Gleichung ax=ba^x = b hat drei Größen: die Basis aa, den Exponenten xx und den Potenzwert bb. Je nachdem, welche gesucht ist, hat die Aufgabe einen anderen Namen:

GesuchtAufgabeNameBeispiel
Potenzwert bb23=?2^3 = ?Potenzieren23=82^3 = 8
Basis aa?3=8?^3 = 8Wurzelziehen83=2\sqrt[3]{8} = 2
Exponent xx2?=82^? = 8Logarithmierenlog⁡28=3\log_2 8 = 3

Der Logarithmus log⁡ab\log_a b ist der Exponent, mit dem du aa potenzieren musst, um bb zu erhalten. Du sprichst „Logarithmus von bb zur Basis aa“. Er ist erklärt für a>0a > 0, a≠1a \neq 1 und b>0b > 0. Das Wurzelziehen ist ein Potenzieren mit dem Exponenten 1n\frac{1}{n}. Das Logarithmieren ist die zweite Umkehrung des Potenzierens: Du suchst den Exponenten.

Beispiel

Logarithmen bestimmen

Berechne a) log⁡232\log_2 32, b) log⁡100,001\log_{10} 0{,}001, c) log⁡319\log_3 \frac{1}{9} und d) log⁡42\log_4 2.

a)  log⁡232=5denn 25=32b)  log⁡100,001=−3denn 10−3=0,001c)  log⁡319=−2denn 3−2=19d)  log⁡42=12denn 412=2\begin{aligned} \text{a)}\; & \log_2 32 = 5 \quad \text{denn } 2^5 = 32 \\ \text{b)}\; & \log_{10} 0{,}001 = -3 \quad \text{denn } 10^{-3} = 0{,}001 \\ \text{c)}\; & \log_3 \tfrac{1}{9} = -2 \quad \text{denn } 3^{-2} = \tfrac{1}{9} \\ \text{d)}\; & \log_4 2 = \tfrac{1}{2} \quad \text{denn } 4^{\frac{1}{2}} = 2 \end{aligned}

Du fragst jedes Mal: Mit welchem Exponenten wird die Basis zur gegebenen Zahl? Die Probe machst du mit der Potenz. Bei einer Basis größer als 1 haben Zahlen zwischen 0 und 1 einen negativen Logarithmus. Gebrochene Exponenten gehören zu Wurzeln.

Häufige Fehler

Halbieren statt Wurzel ziehen

Jemand rechnet 912=92=4,59^{\frac{1}{2}} = \frac{9}{2} = 4{,}5.

Richtig ist

Der Exponent 12\frac{1}{2} bedeutet die Quadratwurzel, nicht die Hälfte: 912=9=39^{\frac{1}{2}} = \sqrt{9} = 3. Die Probe zeigt es: 32=93^2 = 9, aber 4,52=20,254{,}5^2 = 20{,}25.

Häufige Fehler

Potenzgesetz bei einer Summe

Jemand rechnet 23+22=25=322^3 + 2^2 = 2^5 = 32.

Richtig ist

Die Regel „Exponenten addieren“ gilt nur für Produkte: 23⋅22=25=322^3 \cdot 2^2 = 2^5 = 32. Bei der Summe rechnest du 8+4=128 + 4 = 12.

Zusammenfassung

  • Es gilt a0=1a^0 = 1 und a−n=1ana^{-n} = \frac{1}{a^n} für a≠0a \neq 0. Ein negativer Exponent bildet den Kehrwert.

  • Die Potenzgesetze gelten für ganze Exponenten und, bei positiver Basis, auch für rationale: Beim Multiplizieren addierst du die Exponenten, beim Dividieren subtrahierst du sie, bei einer Potenz von einer Potenz multiplizierst du sie.

  • Für a>0a > 0 ist a1n=ana^{\frac{1}{n}} = \sqrt[n]{a} und amn=(an)ma^{\frac{m}{n}} = \left(\sqrt[n]{a}\right)^m. Wurzeln sind Potenzen, und die Wurzelgesetze folgen aus den Potenzgesetzen.

  • Zehnerpotenzschreibweise: a⋅10ka \cdot 10^k mit 1≤a<101 \leq a < 10 und ganzem kk. Zahlen zwischen 0 und 1 haben ein negatives kk.

  • In ax=ba^x = b sucht das Potenzieren den Wert bb, das Wurzelziehen die Basis aa und das Logarithmieren den Exponenten xx. Es gilt log⁡ab=x\log_a b = x genau dann, wenn ax=ba^x = b.

Übungen

Aufgabe 1Numerisch

Berechne 323532^{\frac{3}{5}}.

Aufgabe 2Multiple Choice

Welcher Term ist für x>0x > 0 gleich x⋅x3\sqrt{x} \cdot \sqrt[3]{x}?

Aufgabe 3Numerisch

Ein Draht ist 0,00035 m dick. Du schreibst die Dicke als a⋅10ka \cdot 10^k m mit 1≤a<101 \leq a < 10. Welche Zahl ist kk?

Aufgabe 4Numerisch

Berechne log⁡218\log_2 \frac{1}{8}.

Aufgabe 5Freitext

Begründe mit einem Potenzgesetz, warum a0=1a^0 = 1 für a≠0a \neq 0 gelten muss.