Ganzrationale Funktionen
Aus einem quadratischen Karton mit 12 cm Seitenlänge schneidest du in jeder Ecke ein kleines Quadrat mit der Seitenlänge (in cm) heraus. Dann faltest du die Ränder hoch. So entsteht eine offene Schachtel mit der Höhe und einem quadratischen Boden mit der Seitenlänge . Ihr Volumen in cm³ ist .
Für welche ist das Volumen null? Wie sieht der Graph von aus? Und was passiert, wenn sehr groß wird? Lineare und quadratische Funktionen kennst du. Hier steckt im Term. In dieser Lektion lernst du, solche Funktionen zu untersuchen, ohne viele Werte auszurechnen.
Ganzrationale Funktion
Eine Funktion heißt ganzrational (oder Polynomfunktion), wenn ihr Term die Form in der Formel unten hat: Vielfache von Potenzen mit ganzzahligem Exponenten , die addiert werden. Die Zahlen heißen Koeffizienten. Der höchste Exponent mit heißt Grad, und heißt Leitkoeffizient. Der Koeffizient ist das Absolutglied. Es ist , also der -Achsenabschnitt.
Beispiele: hat den Grad 1, den Grad 2 und den Grad 4 mit dem Leitkoeffizienten . Nicht ganzrational sind , und , denn dort steht nicht nur als Potenz mit ganzzahligem Exponenten .
Verhalten an den Rändern
Für sehr große entscheidet das Glied mit der höchsten Potenz. Bei und ist , aber nur . Die übrigen Glieder fallen kaum ins Gewicht.
Du schreibst („ geht gegen plus unendlich“), wenn beliebig groß wird, und , wenn beliebig klein, also stark negativ wird. heißt: Die Funktionswerte werden beliebig groß. Bei geradem Exponenten ist für positive und negative positiv. Bei ungeradem Exponenten hat das Vorzeichen von . Daraus folgt:
| Grad | Leitkoeffizient | Für | Für |
|---|---|---|---|
| gerade | |||
| gerade | |||
| ungerade | |||
| ungerade |
Randverhalten bestimmen
Randverhalten bestimmen
Beschreibe das Verhalten von und an den Rändern.
Nur der Grad und der Leitkoeffizient zählen. Der Graph von kommt von links oben und fällt nach rechts unten. Der Graph von zeigt an beiden Enden nach oben, wie eine Parabel. Zur Probe: und .
Nullstellen und faktorisierte Form
Eine Nullstelle ist ein mit . Dort schneidet oder berührt der Graph die -Achse. Ein Produkt ist null, wenn ein Faktor null ist (Satz vom Nullprodukt). Deshalb kannst du bei der faktorisierten Form die Nullstellen sofort ablesen. Die Faktoren heißen Linearfaktoren. Beispiel: hat die Nullstellen und .
Eine ganzrationale Funktion vom Grad hat höchstens Nullstellen. Kommt ein Linearfaktor mehrfach vor, etwa , ist die Nullstelle mehrfach. Bei einer geraden Anzahl (zum Beispiel doppelt) berührt der Graph die -Achse nur und wechselt nicht das Vorzeichen. Bei einer ungeraden Anzahl schneidet er die Achse. Zum Faktorisieren nutzt du Ausklammern, die binomischen Formeln und die Lösungsformel für quadratische Gleichungen.
Nullstellen und Schachtel
Nullstellen und Schachtel
a) Faktorisiere und gib die Nullstellen an. b) Wann ist das Volumen der Schachtel null?
In a) klammerst du zuerst aus. Die Gleichung löst du mit der Lösungsformel: . Daher ist . In b) ist , und das Quadrat davon ist . Ausmultipliziert ist : Grad 3, Leitkoeffizient 4. Das Volumen ist null für (keine Höhe) und (kein Boden). Bei berührt der Graph die -Achse nur. Für die Schachtel zählt allerdings nur .
Symmetrie zur y-Achse und zum Ursprung
Der Graph ist symmetrisch zur -Achse, wenn für alle gilt: Die linke Hälfte ist das Spiegelbild der rechten. Er ist symmetrisch zum Ursprung, wenn gilt: Eine Drehung um um den Ursprung bildet ihn auf sich ab.
Bei ganzrationalen Funktionen siehst du das an den Exponenten. Es ist für gerade und für ungerade . Kommen nur gerade Exponenten vor (das Absolutglied zählt als ), ist der Graph symmetrisch zur -Achse. Kommen nur ungerade Exponenten vor, ist er symmetrisch zum Ursprung. Kommen beide Arten vor, ist er zu keinem von beiden symmetrisch.
Symmetrie prüfen
Symmetrie prüfen
Untersuche , und .
Bei kommen nur gerade Exponenten vor (4, 2 und 0 beim Absolutglied). Der Graph ist symmetrisch zur -Achse. Bei kommen nur ungerade Exponenten vor. Der Graph ist symmetrisch zum Ursprung. Bei kommen 3 und 2 vor. Ein Gegenbeispiel genügt: ist weder noch . Der Graph von ist also weder zur -Achse noch zum Ursprung symmetrisch.
Vom Graphen auf Grad und Term schließen
Aus dem Graphen liest du Schritt für Schritt Eigenschaften der Funktion ab:
- Das Verhalten an den Rändern verrät, ob der Grad gerade oder ungerade ist und welches Vorzeichen der Leitkoeffizient hat.
- Jede Nullstelle gibt einen Linearfaktor. Der Grad ist mindestens so groß wie die Zahl der Linearfaktoren. Eine Stelle, an der der Graph die Achse nur berührt, zählt doppelt.
- Ein Graph vom Grad hat höchstens Hochpunkte und Tiefpunkte. (Das beweist man mit der Ableitung in der Oberstufe.) Hat er zwei, ist der Grad also mindestens 3.
- Symmetrie zeigt, ob nur gerade oder nur ungerade Exponenten vorkommen.
- Der Faktor in der faktorisierten Form folgt aus einem weiteren Punkt des Graphen, der nicht auf der -Achse liegt.
Term aus Eigenschaften bestimmen
Term aus Eigenschaften bestimmen
Der Graph einer ganzrationalen Funktion schneidet die -Achse bei , und . Er kommt von links unten, geht nach rechts oben und verläuft durch . Bestimme einen Term.
Drei Nullstellen brauchen drei Linearfaktoren. Wir nehmen den kleinsten möglichen Grad 3. Links unten und rechts oben bedeutet ungerader Grad und . Das passt zu . Zur Probe: und der ausmultiplizierte Term gibt ebenfalls .
Grad 3 heißt drei Nullstellen
Grad 3 heißt drei Nullstellen
Jemand sagt: „Eine ganzrationale Funktion dritten Grades hat immer genau drei Nullstellen.“
Sie hat höchstens drei. Bei ist immer positiv, also gibt es nur die Nullstelle . Bei ungeradem Grad gibt es mindestens eine, denn der Graph kommt von einer Seite der -Achse auf die andere.
Das Absolutglied stört die Symmetrie
Das Absolutglied stört die Symmetrie
Jemand sagt: „ ist nicht symmetrisch, weil hinten ein steht.“
Das Absolutglied ist ein Glied mit dem geraden Exponenten 0, denn . Der Graph ist symmetrisch zur -Achse. Anders ist es bei : Dort kommen ein ungerader und ein gerader Exponent vor.
Zusammenfassung
Ganzrationale Funktionen haben die Form mit . ist der Grad, der Leitkoeffizient und das Absolutglied.
An den Rändern entscheidet das Glied mit der höchsten Potenz: Bei geradem Grad zeigen beide Enden in dieselbe Richtung, bei ungeradem in entgegengesetzte. Das Vorzeichen von legt die Richtung fest.
Aus der faktorisierten Form liest du die Nullstellen ab. Es gibt höchstens so viele Nullstellen wie der Grad. Bei einer doppelten Nullstelle berührt der Graph die Achse nur.
Nur gerade Exponenten bedeuten Symmetrie zur -Achse, nur ungerade Exponenten Symmetrie zum Ursprung. Das Absolutglied zählt als gerader Exponent.
Vom Graphen schließt du auf den Term: Randverhalten und Symmetrie legen Grad und Vorzeichen fest, die Nullstellen die Linearfaktoren, ein weiterer Punkt den Faktor .
Übungen
Welche dieser Funktionen ist ganzrational?
Wie verläuft der Graph von an den Rändern?
Wie viele verschiedene Nullstellen hat ?
Eine ganzrationale Funktion hat die Nullstellen , und und den Grad 3. Ihr Graph verläuft durch . Welchen Wert hat in ?
Der Graph einer ganzrationalen Funktion ist symmetrisch zum Ursprung, und es gilt . Wie groß ist ?
Der Graph einer ganzrationalen Funktion schneidet die -Achse dreimal, kommt von links oben und verläuft nach rechts unten. Was kannst du über den Grad und den Leitkoeffizienten sagen?