Sinus- und Kosinusfunktion, periodische Vorgänge
Ein Riesenrad hat einen Radius von 10 m. Seine Achse liegt 12 m über dem Boden. Eine Umdrehung dauert, angenommen, 120 Sekunden. Eine Gondel startet in Höhe der Achse und fährt nach oben. Wie hoch ist sie nach 10 Sekunden, wie hoch nach 30 Sekunden? Und wie beschreibst du ihre Höhe zu jedem Zeitpunkt mit einer Formel?
Die Höhe steigt, fällt und steigt wieder, immer im gleichen Rhythmus. Solche Vorgänge heißen periodisch. Auch ein Pendel, eine Schallwelle, Ebbe und Flut oder der Wechselstrom aus der Steckdose verhalten sich so.
Sinus und Kosinus kennst du bisher nur aus dem rechtwinkligen Dreieck, also für Winkel unter 90°. Die Gondel fährt aber weiter. In dieser Lektion erweiterst du Sinus und Kosinus auf beliebige Winkel und machst Funktionen daraus.
Einheitskreis, Sinus und Kosinus
Der Einheitskreis ist der Kreis um den Ursprung mit dem Radius 1. Ein Punkt startet bei und läuft gegen den Uhrzeigersinn über den Kreis. Der Winkel liegt zwischen der positiven -Achse und der Strecke vom Ursprung zu . Du gibst ihn im Bogenmaß an: Das ist die Länge des Kreisbogens, den zurückgelegt hat. Dabei entsprechen der Zahl und der Zahl . Läuft im Uhrzeigersinn, ist der Winkel negativ.
Der Kosinus von ist die -Koordinate von . Der Sinus von ist die -Koordinate von . Für einen spitzen Winkel ist das dasselbe wie im rechtwinkligen Dreieck mit der Hypotenuse 1. Neu ist, dass es nun für jeden Winkel gilt, auch für , oder .
| (Bogenmaß) | Grad | ||
|---|---|---|---|
Ein Winkel über 90°
Ein Winkel über 90°
Bestimme und am Einheitskreis und gib im Bogenmaß an.
Der Winkel liegt zwischen und . Es fehlen bis zur negativen -Achse. Der Punkt ist deshalb das Spiegelbild von an der -Achse. Er liegt gleich hoch, also bleibt der Sinus . Seine -Koordinate wechselt das Vorzeichen, also ist der Kosinus negativ. Im rechtwinkligen Dreieck gäbe es diesen Winkel nicht.
Graphen von Sinus und Kosinus, Periode
Trägst du waagerecht und senkrecht ab, entsteht die Sinuskurve. Sie beginnt bei und steigt zum Hochpunkt , dem obersten Punkt der Welle. Dann fällt sie über die Nullstelle bei zum Tiefpunkt , dem untersten Punkt, und kehrt bei zu zurück. Danach wiederholt sie sich, nach rechts und nach links ohne Ende. Alle Funktionswerte liegen im Intervall .
Eine Funktion, deren Verlauf sich nach einer festen Länge wiederholt, heißt periodisch. Die kleinste solche Länge ist die Periode . Für Sinus und Kosinus ist . Die Kosinuskurve hat dieselbe Form, ist aber um nach links verschoben: Sie startet im Hochpunkt , denn .
Sinusfunktion mit Parametern
Wie bei der quadratischen Funktion in Scheitelform verändern vier Parameter den Graphen der Grundfunktion. Die allgemeine Form ist mit . Für den Kosinus gilt dasselbe.
- verschiebt den Graphen nach oben (bei negativem nach unten). Die Gerade ist die Mittellinie, um die die Welle schwingt.
- streckt den Graphen in -Richtung. Der Betrag heißt Amplitude: der Abstand des Hochpunkts von der Mittellinie. Der Höchstwert ist , der Tiefstwert . Ist negativ, wird die Welle an der Mittellinie gespiegelt.
- staucht oder streckt den Graphen in -Richtung. Die Periode ist , denn muss auf der Länge genau um wachsen.
- verschiebt den Graphen um nach rechts (bei negativem nach links).
Parameter ablesen
Parameter ablesen
Beschreibe den Graphen von .
Die Welle beginnt bei auf der Mittellinie und steigt. Ihr Hochpunkt kommt nach einer Viertelperiode, also weiter rechts, bei . Die Probe bestätigt es: .
Das Riesenrad
Das Riesenrad
Die Gondel startet in Höhe der Achse (12 m), der Radius ist 10 m, eine Umdrehung dauert 120 s. Stelle die Höhe in Metern nach Sekunden auf und berechne sie für und . Wie tief kommt die Gondel?
Die Achse ist die Mittellinie, der Radius die Amplitude. Aus der Umlaufzeit folgt die Periode und damit . Die Gondel startet auf der Mittellinie und steigt, wie die Sinuskurve bei . Deshalb ist . Nach 10 s ist sie 17 m hoch, nach 30 s am höchsten Punkt, 22 m hoch. Am tiefsten Punkt, nach 90 s, ist sie 2 m über dem Boden.
Gleichung aus Eigenschaften aufstellen
Gleichung aus Eigenschaften aufstellen
Eine Schwingung hat den Höchstwert 5, den Tiefstwert und die Periode 4. Bei liegt sie auf der Mittellinie und steigt. Gib eine Gleichung der Form an.
Die Mittellinie liegt genau zwischen Höchst- und Tiefstwert. Die Amplitude ist der halbe Abstand der beiden. Aus folgt . Probe: ist der Höchstwert, der Tiefstwert.
Falsche Winkeleinstellung am Taschenrechner
Falsche Winkeleinstellung am Taschenrechner
Jemand berechnet mit dem Taschenrechner, der auf Gradmaß (DEG) steht, und erhält etwa 0,027.
Der Rechner liest dann als . Stelle ihn auf Bogenmaß (RAD) um. Dann ist .
b ist nicht die Periode
b ist nicht die Periode
Jemand sagt: „Die Funktion hat die Periode 3.“
Die Periode ist . Ein größeres macht die Welle schneller: Auf der Länge passen drei Wellen. Die Probe: .
Verschiebung ohne Ausklammern ablesen
Verschiebung ohne Ausklammern ablesen
Jemand liest bei eine Verschiebung um nach rechts ab.
Die Form verlangt . Klammere zuerst aus: . Der Graph ist also nur um nach rechts verschoben.
Zusammenfassung
Am Einheitskreis (Radius 1) ist . Der Winkel steht im Bogenmaß, und entsprechen . Das gilt für jeden Winkel, auch über und negative.
Die Graphen von Sinus und Kosinus sind Wellen mit Werten zwischen und und der Periode . Der Kosinus ist der um nach links verschobene Sinus.
Bei gilt: Mittellinie , Amplitude , Periode , Verschiebung nach rechts.
Höchstwert und Tiefstwert sind und . Aus ihnen berechnest du als Mittelwert und als halben Abstand.
Periodische Vorgänge wie ein Riesenrad, Gezeiten oder Wechselstrom beschreibst du mit solchen Funktionen. Mit dem Taschenrechner im Bogenmaß (RAD) berechnest du die Werte.
Übungen
Welchen Wert hat ?
Wie lang ist die Periode von ?
Wie groß ist der größte Funktionswert von ?
Welche Funktion hat die Amplitude 2, die Periode und die Mittellinie ?
Die Höhe der Gondel ist in Metern, in Sekunden. Wie hoch ist die Gondel nach 20 Sekunden in Metern? Stelle den Taschenrechner auf Bogenmaß und runde auf zwei Nachkommastellen.
Der Wasserstand in einem Hafen schwankt zwischen 1 m und 5 m. Angenommen, eine Periode dauert genau 12 Stunden. Um 0 Uhr liegt der Wasserstand in der Mitte und steigt. Stelle eine Funktion auf ( in Stunden) und berechne den Wasserstand um 2 Uhr.