Vierfeldertafel, verknüpfte Ereignisse und bedingte Wahrscheinlichkeit
In einer Befragung von 200 Jugendlichen sagen 80, dass sie ein Instrument spielen. 100 sind in einem Sportverein. 60 spielen ein Instrument und sind im Verein. Wie viele machen keines von beidem? Und eine zweite Frage: Du triffst zufällig eine Person aus der Befragung und erfährst, dass sie ein Instrument spielt. Wie wahrscheinlich ist es, dass sie im Sportverein ist?
Du weißt jetzt etwas über die Person und rechnest deshalb mit einer anderen Wahrscheinlichkeit als vorher. Das nennt man bedingte Wahrscheinlichkeit. Zwei Hilfsmittel helfen dir dabei: eine Tabelle mit vier Feldern, die du hier kennenlernst, und das Baumdiagramm aus Klasse 7-8.
Schnitt, Vereinigung und Gegenereignis
Ein Ereignis ist eine Aussage über das Ergebnis eines Zufallsexperiments, zum Beispiel : „Die ausgewählte Person spielt ein Instrument.“ und : „Die ausgewählte Person ist im Verein.“ Aus zwei Ereignissen bildest du neue:
- Der Schnitt bedeutet „ und “: Beide Ereignisse treten ein.
- Die Vereinigung bedeutet „ oder “: Mindestens eines der Ereignisse tritt ein, es dürfen auch beide eintreten.
- Das Gegenereignis bedeutet „nicht “. Es gilt .
Vierfeldertafel
Hat jede Person oder jeder Gegenstand zwei Merkmale, die jeweils zwei Ausprägungen haben, ordnest du die Daten in eine Tabelle mit vier Feldern ein: Zeilen für und , Spalten für und . Dazu kommt je eine Summenzeile und Summenspalte. Jede Zeile und jede Spalte ergibt addiert ihre Summe, und rechts unten steht die Gesamtzahl. Teilst du alle Zahlen durch die Gesamtzahl, erhältst du Wahrscheinlichkeiten. Fehlende Zahlen findest du durch Addieren und Subtrahieren.
Die Vierfeldertafel ausfüllen
Die Vierfeldertafel ausfüllen
Lege für die Befragung die Vierfeldertafel an: 200 Personen, 80 in , 100 in , 60 in . Gib und an.
| (Verein) | (kein Verein) | Summe | |
|---|---|---|---|
| (Instrument) | 60 | 20 | 80 |
| (kein Instrument) | 40 | 80 | 120 |
| Summe | 100 | 100 | 200 |
Gegeben sind 80, 100, 60 und 200. Daraus folgt für : und für : . Ohne Instrument sind Personen, davon 40 im Verein, also in keinem von beiden. Zur Probe: Die Spalte hat . Die Antwort auf die erste Frage lautet also 80 Personen.
Additionssatz
Für die Vereinigung zweier Ereignisse gilt der Additionssatz. Addierst du und , zählst du die Ergebnisse in doppelt. Deshalb wird einmal abgezogen. Können und nicht gleichzeitig eintreten (unvereinbar), ist , und du addierst einfach.
Wahrscheinlichkeit für „oder“
Wahrscheinlichkeit für „oder“
Wie wahrscheinlich spielt eine zufällig gewählte Person ein Instrument oder ist im Verein?
Es ist und . Bei der Kontrolle zählst du die drei Felder der Tafel, die zu oder gehören. Das Gegenereignis hat die Wahrscheinlichkeit , und .
Bedingte Wahrscheinlichkeit
Du erfährst, dass die Person ein Instrument spielt. Dann zählen nur noch die 80 Personen in der Zeile . Davon sind 60 im Verein. Die Wahrscheinlichkeit für unter der Bedingung ist . Du schreibst , in anderen Büchern auch . Teilst du Zähler und Nenner durch 200, entsteht die Formel unten. Sie gilt, wenn ist. Stellst du sie um, erhältst du die Multiplikationsregel, die du von den Pfadregeln im Baumdiagramm kennst.
Bedingte Wahrscheinlichkeiten ablesen
Bedingte Wahrscheinlichkeiten ablesen
Berechne aus der Vierfeldertafel , und .
Die Bedingung steht als Index unten und sagt, welche Zeile oder Spalte der Nenner ist. Bei ist es die Zeile mit 80 Personen, bei die Spalte mit 100. Wer ein Instrument spielt, ist mit 0,75 im Verein, wer keines spielt, nur mit .
Baumdiagramm mit bedingten Wahrscheinlichkeiten
Das zweistufige Baumdiagramm hat auf der ersten Stufe die Äste und mit den Wahrscheinlichkeiten und . Auf der zweiten Stufe stehen und , und an diesen Ästen stehen die bedingten Wahrscheinlichkeiten , , und . Es gelten die Pfadregeln: Entlang eines Pfades multiplizierst du, mehrere Pfade zum selben Ereignis addierst du. Hier steht der Baum als Tabelle der Pfade.
Aus der Tafel in den Baum
Aus der Tafel in den Baum
Stelle die Befragung als Baumdiagramm dar: erste Stufe oder , zweite Stufe oder .
| Pfad | Rechnung | Wahrscheinlichkeit |
|---|---|---|
Die erste Stufe ist und . Die zweite Stufe sind bedingte Wahrscheinlichkeiten aus den Zeilen der Tafel, zum Beispiel und . Die vier Pfade ergeben die Felder der Tafel geteilt durch 200. Ihre Summe ist 1. ergibt sich aus den zwei Pfaden, die bei enden, und stimmt mit überein.
Stochastische Unabhängigkeit
Zwei Ereignisse und heißen stochastisch unabhängig, wenn die Information „ ist eingetreten“ die Wahrscheinlichkeit von nicht verändert: . Mit der Multiplikationsregel ist das gleichbedeutend mit der Produktformel unten. Gilt sie nicht, heißen die Ereignisse abhängig. Ob zwei Ereignisse unabhängig sind, prüfst du mit den Zahlen.
Unabhängigkeit prüfen
Unabhängigkeit prüfen
a) Sind „Instrument“ () und „Verein“ () in der Befragung unabhängig? b) In einer anderen Befragung von 200 Personen sind 120 Mädchen (), 110 fahren mit dem Rad (), und 66 sind Mädchen und fahren mit dem Rad. Sind und unabhängig?
In a) sind die Ereignisse abhängig: Wer ein Instrument spielt, ist mit 0,75 häufiger im Verein als die Gesamtheit mit 0,5. In b) ist die Produktformel erfüllt, die Ereignisse sind unabhängig. Von den Mädchen fahren mit dem Rad, genau wie in der ganzen Gruppe.
Der Additionssatz ohne Abzug
Der Additionssatz ohne Abzug
Jemand berechnet .
Die 60 Personen in sind in beiden Zahlen enthalten und wurden doppelt gezählt. Richtig ist . Die Tafel bestätigt es mit .
P_A(B) und P_B(A) verwechseln
P_A(B) und P_B(A) verwechseln
Jemand sagt: „Wer im Verein ist, spielt mit Wahrscheinlichkeit 0,75 ein Instrument.“ Dabei meint er .
ist die Wahrscheinlichkeit für den Verein, wenn die Person ein Instrument spielt. Die Frage nach dem Instrument bei Vereinsmitgliedern ist . Die Bedingung ist die Gruppe, auf die du dich beschränkst. Sie bestimmt den Nenner.
Unvereinbar bedeutet unabhängig
Unvereinbar bedeutet unabhängig
Jemand sagt: „Beim Würfeln sind : gerade Zahl und : die Zahl 5 unabhängig, weil sie nichts miteinander zu tun haben.“
Es ist , aber . Die Ereignisse sind abhängig: Ist eine gerade Zahl gefallen, kann es keine 5 mehr sein, also .
Zusammenfassung
Der Schnitt bedeutet „und“, die Vereinigung bedeutet „oder“ (auch beides), das Gegenereignis bedeutet „nicht “.
In der Vierfeldertafel stehen die Daten zu zwei Merkmalen in vier Feldern mit Zeilen- und Spaltensummen. Geteilt durch die Gesamtzahl sind es Wahrscheinlichkeiten.
Additionssatz: .
Bedingte Wahrscheinlichkeit: . Die Bedingung bestimmt die Zeile oder Spalte, die du als Gesamtheit nimmst.
Im Baumdiagramm stehen an den Ästen der zweiten Stufe bedingte Wahrscheinlichkeiten. Entlang eines Pfades multiplizierst du, Pfade zum selben Ereignis addierst du.
Zwei Ereignisse sind unabhängig, wenn gilt, gleichbedeutend mit .
Übungen
Von 200 Personen gehören 90 zu , 70 zu und 30 zu beiden. Wie viele Personen gehören weder zu noch zu ?
Es gilt , und . Wie groß ist ? Gib das Ergebnis als Dezimalzahl an.
Welcher Term gibt die Wahrscheinlichkeit für unter der Bedingung an?
In einer Gruppe von 100 Personen sind 60 Frauen. 45 Personen tragen eine Brille, darunter 27 Frauen. Eine Person wird zufällig ausgewählt und ist eine Frau. Wie wahrscheinlich trägt sie eine Brille? Gib das Ergebnis als Dezimalzahl an.
Sind in der Gruppe aus der vorigen Aufgabe die Ereignisse („Frau“) und („trägt eine Brille“) stochastisch unabhängig?
Erkläre an der Befragung aus der Lektion (200 Jugendliche, 80 mit Instrument, 100 im Verein, 60 beides), warum und nicht gleich sind. Berechne beide.