Lektion 2.6

Bruchterme und Bruchgleichungen

16 min Lesezeit

Ein Radfahrer fährt 12 Kilometer. Mit der Geschwindigkeit vv (in Kilometern pro Stunde) braucht er 12v\frac{12}{v} Stunden. Bei v=6v = 6 sind das 2 Stunden, bei v=12v = 12 eine Stunde. Hier steht die Variable im Nenner.

Daraus ergeben sich Fragen. Welche Zahlen darfst du für vv einsetzen? Bei v=0v = 0 stünde im Nenner eine 0, und durch 0 kann man nicht teilen. Wie vereinfachst du solche Brüche? Und wie findest du vv, wenn der Radfahrer 4 Stunden braucht? Das ist eine Gleichung mit der Unbekannten im Nenner. In dieser Lektion klärst du das und lernst dazu die Potenzgesetze, die du für das Rechnen mit Brüchen und Termen brauchst.

Definition

Bruchterm und Definitionsmenge

Ein Bruchterm ist ein Bruch, bei dem im Nenner eine Variable vorkommt, zum Beispiel 12v\frac{12}{v} oder x+2x−3\frac{x + 2}{x - 3}. Die Rechenregeln für Brüche gelten weiter. Eine Regel ist besonders wichtig: Der Nenner darf nicht 0 sein.

Die Zahlen, die du für die Variable einsetzen darfst, bilden den Variablengrundbereich. Man nennt ihn auch Definitionsmenge DD. Du suchst unter den rationalen Zahlen und streichst alle Zahlen, bei denen ein Nenner 0 wird. Dazu setzt du jeden Nenner gleich 0 und löst. Bei x+2x−3\frac{x + 2}{x - 3} gilt x−3=0x - 3 = 0 für x=3x = 3. Also ist D=Q∖{3}D = \mathbb{Q} \setminus \{3\}. Das Zeichen ∖\setminus liest du als „ohne“.

Beispiel

Definitionsmenge bestimmen

Bestimme die Definitionsmenge.

  • a) 5x\frac{5}{x}
  • b) 32x−8\frac{3}{2x - 8}
  • c) 1(x−1)(x+2)\frac{1}{(x - 1)(x + 2)}
a)  D=Q∖{0}b)  2x−8=0 gilt fu¨r x=4,D=Q∖{4}c)  D=Q∖{−2;1}\begin{aligned} \text{a)}\; & D = \mathbb{Q} \setminus \{0\} \\ \text{b)}\; & 2x - 8 = 0 \text{ gilt für } x = 4, \quad D = \mathbb{Q} \setminus \{4\} \\ \text{c)}\; & D = \mathbb{Q} \setminus \{-2; 1\} \end{aligned}

Du setzt den Nenner gleich 0. In b) ergibt 2x−8=02x - 8 = 0 die Lösung x=4x = 4. In c) ist ein Produkt genau dann 0, wenn einer der Faktoren 0 ist. Das gibt x=1x = 1 und x=−2x = -2. Beide Zahlen fallen weg.

Definition

Erweitern und Kürzen

Brüche erweitern und kürzen kennst du: Zähler und Nenner mit derselben Zahl malnehmen oder durch dieselbe Zahl teilen. Bei Bruchtermen machst du das mit einem Term, der nicht 0 sein darf. Beim Erweitern multiplizierst du Zähler und Nenner mit demselben Term, zum Beispiel 2x=2⋅(x+1)x⋅(x+1)\frac{2}{x} = \frac{2 \cdot (x + 1)}{x \cdot (x + 1)} für x≠−1x \neq -1. Beim Kürzen teilst du Zähler und Nenner durch einen gemeinsamen Faktor. Dafür faktorisierst du erst: Du klammerst aus oder nutzt eine binomische Formel. Kürzen darfst du nur Faktoren, nie einzelne Summanden.

Beispiel

Kürzen

Kürze und gib an, welche Zahlen nicht eingesetzt werden dürfen.

  • a) 6x+129x+18\frac{6x + 12}{9x + 18}
  • b) x2−9x+3\frac{x^2 - 9}{x + 3}
  • c) x2+4x+4x2−4\frac{x^2 + 4x + 4}{x^2 - 4}
a)  6(x+2)9(x+2)=23x≠−2b)  (x−3)(x+3)x+3=x−3x≠−3c)  (x+2)2(x+2)(x−2)=x+2x−2x≠−2,  x≠2\begin{aligned} \text{a)}\; & \frac{6(x + 2)}{9(x + 2)} = \frac{2}{3} \qquad x \neq -2 \\ \text{b)}\; & \frac{(x - 3)(x + 3)}{x + 3} = x - 3 \qquad x \neq -3 \\ \text{c)}\; & \frac{(x + 2)^2}{(x + 2)(x - 2)} = \frac{x + 2}{x - 2} \qquad x \neq -2, \; x \neq 2 \end{aligned}

Zuerst faktorisierst du, dann kürzt du den gemeinsamen Faktor. In a) klammerst du aus. In b) benutzt du die dritte binomische Formel, in c) die erste und die dritte. Die Einschränkung kommt vom ursprünglichen Nenner: In b) darf xx nicht −3-3 sein, obwohl x−3x - 3 allein für −3-3 definiert wäre. Probe für b) mit x=5x = 5: Links 168=2\frac{16}{8} = 2, rechts 5−3=25 - 3 = 2.

Definition

Bruchgleichung

Eine Bruchgleichung ist eine Gleichung, in der die Unbekannte im Nenner steht. So löst du sie:

  • Bestimme die Definitionsmenge DD.
  • Multipliziere beide Seiten mit den Nennern, bis keine Brüche mehr da sind. Das ist erlaubt, weil jeder Nenner für Zahlen aus DD nicht 0 ist.
  • Löse die entstandene lineare Gleichung.
  • Prüfe, ob die Lösung zu DD gehört. Wenn nicht, streichst du sie. Mache die Probe.
Beispiel

Bruchgleichungen lösen

Löse a) 12x=3\frac{12}{x} = 3 und b) 2x−1=3x+2\frac{2}{x - 1} = \frac{3}{x + 2}.

a)  D=Q∖{0}12=3x∣:3x=4b)  D=Q∖{−2;1}2(x+2)=3(x−1)2x+4=3x−3∣−2x4=x−3∣+37=x\begin{aligned} \text{a)}\; & D = \mathbb{Q} \setminus \{0\} \\ & 12 = 3x \quad \mid : 3 \\ & x = 4 \\[0.6em] \text{b)}\; & D = \mathbb{Q} \setminus \{-2; 1\} \\ & 2(x + 2) = 3(x - 1) \\ & 2x + 4 = 3x - 3 \quad \mid -2x \\ & 4 = x - 3 \quad \mid +3 \\ & 7 = x \end{aligned}

In a) multiplizierst du beide Seiten mit xx und bekommst 12=3x12 = 3x. Die 4 gehört zu DD. Probe: 124=3\frac{12}{4} = 3. In b) multiplizierst du beide Seiten mit (x−1)(x+2)(x - 1)(x + 2). Links kürzt sich x−1x - 1, rechts x+2x + 2. Es bleibt eine Gleichung ohne Brüche. Die 7 gehört zu DD. Probe: Links 26=13\frac{2}{6} = \frac{1}{3}, rechts 39=13\frac{3}{9} = \frac{1}{3}.

Beispiel

Eine Lösung liegt nicht in der Definitionsmenge

Löse xx−2=2x−2\frac{x}{x - 2} = \frac{2}{x - 2}.

D=Q∖{2}x=2(nach Multiplikation mit x−2)2∉D,L={}\begin{aligned} D &= \mathbb{Q} \setminus \{2\} \\ x &= 2 \quad \text{(nach Multiplikation mit } x - 2) \\ 2 &\notin D, \quad L = \{\} \end{aligned}

Das Multiplizieren mit x−2x - 2 führt zu x=2x = 2. Aber bei x=2x = 2 steht in der Aufgabe ein Nenner 0. Die Zahl gehört nicht zu DD und ist keine Lösung. Das Zeichen ∉\notin in der letzten Zeile heißt „gehört nicht zu“. Die Gleichung hat keine Lösung. Deshalb bestimmst du zuerst DD und vergleichst am Ende.

Bruchgleichungen im Rechenweg

Drücke auf „Rechnen“. Das Werkzeug nennt zuerst die Definitionsmenge und multipliziert dann mit den Nennern. Die Zahlenmenge schreibt es mit einem anderen Zeichen als wir, das ändert hier nichts. Probiere danach x/(x - 2) = 2/(x - 2) aus. Das Werkzeug kommt auf einem anderen Weg zum Ergebnis des letzten Beispiels.

Definition

Potenzgesetze mit ganzzahligen Exponenten

Potenzen wie x3=x⋅x⋅xx^3 = x \cdot x \cdot x kennst du. Für Bruchterme brauchst du auch Exponenten, die 0 oder negativ sind. Bei den Potenzen von 2 gilt 23=82^3 = 8, 22=42^2 = 4 und 21=22^1 = 2. Jeder Schritt nach unten halbiert das Ergebnis. Setzt du das fort, kommt 20=12^0 = 1, dann 2−1=122^{-1} = \frac{1}{2} und 2−2=142^{-2} = \frac{1}{4}. So erklärt man für a≠0a \neq 0: a0=1a^0 = 1 und a−n=1ana^{-n} = \frac{1}{a^n}. Ein negativer Exponent bedeutet den Kehrwert, nicht eine negative Zahl.

Mit ganzen Exponenten mm und nn und a,b≠0a, b \neq 0 gelten diese Gesetze. Das erste siehst du, wenn du die Faktoren ausschreibst: 23⋅24=(2⋅2⋅2)⋅(2⋅2⋅2⋅2)=272^3 \cdot 2^4 = (2 \cdot 2 \cdot 2) \cdot (2 \cdot 2 \cdot 2 \cdot 2) = 2^7.

GesetzBeispiel
am⋅an=am+na^m \cdot a^n = a^{m+n}x5⋅x2=x7x^5 \cdot x^2 = x^7
am:an=am−na^m : a^n = a^{m-n}x5:x2=x3x^5 : x^2 = x^3
(am)n=am⋅n(a^m)^n = a^{m \cdot n}(x2)3=x6(x^2)^3 = x^6
(a⋅b)n=an⋅bn(a \cdot b)^n = a^n \cdot b^n(2x)3=8x3(2x)^3 = 8x^3
Beispiel

Mit Potenzen rechnen

Vereinfache und schreibe ohne negative Exponenten.

  • a) x5⋅x−2x^5 \cdot x^{-2}
  • b) x3x7\frac{x^3}{x^7}
  • c) (2x−1)3(2x^{-1})^3
a)  x5+(−2)=x3b)  x3−7=x−4=1x4c)  23⋅(x−1)3=8x−3=8x3\begin{aligned} \text{a)}\; & x^{5 + (-2)} = x^3 \\ \text{b)}\; & x^{3 - 7} = x^{-4} = \frac{1}{x^4} \\ \text{c)}\; & 2^3 \cdot (x^{-1})^3 = 8x^{-3} = \frac{8}{x^3} \end{aligned}

In a) addierst du die Exponenten. In b) subtrahierst du: 3−7=−43 - 7 = -4. Dann schreibst du den negativen Exponenten als Bruch. In c) wendest du zuerst das Gesetz für Produkte an und multiplizierst dann die Exponenten: (x−1)3=x−3(x^{-1})^3 = x^{-3}. Probe für b) mit x=2x = 2: 8128=116\frac{8}{128} = \frac{1}{16} und 124=116\frac{1}{2^4} = \frac{1}{16}. Alle Terme gelten für x≠0x \neq 0.

Häufige Fehler

Summanden kürzen

Jemand kürzt x+66\frac{x + 6}{6} zu x+1x + 1.

Richtig ist

Du darfst nur Faktoren kürzen, keine einzelnen Summanden. In x+6x + 6 ist die 6 ein Summand. Probe mit x=6x = 6: Links 126=2\frac{12}{6} = 2, rechts 6+1=76 + 1 = 7. Der Term lässt sich nicht kürzen. Wohl aber gilt 6x+66=6(x+1)6=x+1\frac{6x + 6}{6} = \frac{6(x + 1)}{6} = x + 1.

Häufige Fehler

Negativer Exponent, negative Zahl

Jemand rechnet 2−3=−82^{-3} = -8.

Richtig ist

Das Minus im Exponenten macht die Zahl nicht negativ, sondern bildet den Kehrwert: 2−3=123=182^{-3} = \frac{1}{2^3} = \frac{1}{8}.

Häufige Fehler

Wozu gehört der Exponent?

Jemand schreibt 2x−1=12x2x^{-1} = \frac{1}{2x}.

Richtig ist

Der Exponent −1-1 gehört nur zu xx. Es ist 2x−1=2⋅1x=2x2x^{-1} = 2 \cdot \frac{1}{x} = \frac{2}{x}. Erst mit Klammern gilt (2x)−1=12x(2x)^{-1} = \frac{1}{2x}.

Zusammenfassung

  • Ein Bruchterm hat eine Variable im Nenner. Die Definitionsmenge DD enthält alle Zahlen, für die kein Nenner 0 wird.

  • Du bestimmst DD, indem du jeden Nenner gleich 0 setzt und löst. Diese Zahlen fehlen in DD.

  • Erweitern und Kürzen geht mit Termen, die nicht 0 sind. Zum Kürzen faktorisierst du zuerst. Gekürzt werden nur Faktoren, nie Summanden.

  • Eine Bruchgleichung löst du so: DD bestimmen, mit den Nennern multiplizieren, die lineare Gleichung lösen, Lösung gegen DD prüfen und die Probe machen.

  • Eine Lösung, die nicht zu DD gehört, ist keine Lösung. Manchmal bleibt dann L={}L = \{\}.

  • Für ganze Exponenten gilt a0=1a^0 = 1 und a−n=1ana^{-n} = \frac{1}{a^n} (mit a≠0a \neq 0). Beim Multiplizieren addierst du Exponenten, beim Dividieren subtrahierst du sie, beim Potenzieren multiplizierst du sie.

Übungen

Aufgabe 1Numerisch

Für welche Zahl darf xx im Term 43x−6\frac{4}{3x - 6} nicht eingesetzt werden?

Aufgabe 2Multiple Choice

Auf welchen Term lässt sich x2−16x+4\frac{x^2 - 16}{x + 4} kürzen (für x≠−4x \neq -4)?

Aufgabe 3Numerisch

Löse 10x−3=2\frac{10}{x - 3} = 2. Wie lautet xx?

Aufgabe 4Multiple Choice

Welchen Wert hat 2−32^{-3}?

Aufgabe 5Numerisch

Vereinfache x4⋅x−7:x−2x^4 \cdot x^{-7} : x^{-2} zu xkx^k (mit x≠0x \neq 0). Wie groß ist kk?

Aufgabe 6Freitext

Löse xx−3=3x−3\frac{x}{x - 3} = \frac{3}{x - 3}. Erkläre, warum die Gleichung keine Lösung hat.